Recherche-Info: Christoph Hector – Muay Thai Kämpfer und Teil der saarländischen Naziszene


Down­load: Recherche-Info: Christoph Hec­tor — Muay Thai Kämpfer und Teil der saar­ländis­chen Naziszene [PDF]

Update vom 19.11.2012:

Nach Veröf­fentlichung dieser Recherche — Infor­ma­tion dis­tanzierte sich das “Team Ball­ter­ri­er” von Hec­tor. Nach eige­nen Angaben wurde seine Mit­glied­schaft frist­los gekündigt und ein Hausver­bot gegen ihn aus­ge­sprochen. Darüber hin­aus dis­tanziere sich das “Team Ball­ter­ri­er” von Recht­sradikalis­mus und men­schen­ver­ach­t­en­den poli­tis­chen Ein­stel­lun­gen.

Christoph Hec­tor (geb. 1985) trainierte bis vor weni­gen Wochen Muay Thai (Thai­box­en) im Chora­kee Gym in Merzig1 und Luta Livre2 beim “Team Ball­ter­ri­er” in Saar­brück­en. Er nahm in der Gewicht­sklasse unter 76 kg für das Charo­ke­e­Gym an (semi-)professionellen Wet­tkämpfen teil und kon­nte bere­its zahlre­iche Titel gewin­nen. Bei den Wet­tkämpfen kon­nte er fol­gende Erfolge verze­ichen: DBO Cham­pi­on of Cham­pi­ons 2012, Deutsch­er AFSO K‑1 Cham­pi­on 2012, Deutsch­er IFMA Meis­ter 2010, Rhein­land-Pfalz Meis­ter 2010 und 2011, Deutsch­er Vize IFMA Meis­ter 2009 und 2011 und Saar­land­meis­ter 2008 und 2009.
Christoph Hec­tor ist aber eben nicht nur MuayThai Kämpfer, son­dern auch überzeugter Nazi. Weit­er­lesen

In Gedenken an Max Braun — Max-Braun-Platz in der Saarbrücker Innenstadt eingeweiht

Gut 100 Men­schen erin­ner­ten am Don­ners­tag, 18. Okto­ber 2012 in Saar­brü­cken an den mili­tan­ten Anti­fa­schis­ten Max Braun, der als Mit­glied der Saar­brü­cker SPD in den frü­hen 1930er Jah­ren gegen die Anglie­de­rung des Saar­ge­bie­tes an Nazi-Deutsch­land kämpfte. Anlass für die Kund­ge­bung war die offi­zi­elle Ein­wei­hung des zwi­schen Großher­zog-Friedrich-Straße und Land­wehr­platz neu geschaf­fe­nen „Max-Braun-Platz“. Antifaschist_innen erin­ner­ten mit Trans­pa­ren­ten, Fah­nen, Pla­ka­ten und Auf­kle­bern auf dem Platz und im Umfeld an die poli­ti­sche Arbeit Max Brauns und sei­ner Mitstreiter_innen, die bis heute aus der öffent­li­chen Erin­ne­rung die­ser Stadt weit­ge­hend ver­drängt ist.

Die Benen­nung des Plat­zes nach Max Braun wurde von der Koali­tion aus SPD, Grü­nen und Linke im Saar­brü­cker Stadt­rat beschlos­sen und mit einem offi­zi­el­len Akt und der Ent­hül­lung ein­er Gedenk­ta­fel 67 Jahre nach Brauns Tod im Lon­do­ner Exil umge­setzt. In Rede­bei­trä­gen erin­ner­ten Red­ner der Par­tei die Linke, der St.Johanner SPD und der His­to­ri­ker Erich Spä­ter an Max Braun und sei­nen Ein­satz für ein demo­kra­ti­sches, anti­fa­schis­ti­sches Saar­ge­biet und die von nazis­ti­scher Ver­fol­gung bedroh­ten saar­län­di­schen Jüdin­nen und Juden. Als eine der her­aus­ra­gen­den Akteure ein­er anti­fa­schis­ti­schen Ein­heits­front machte sich Max Braun im Abstim­mungs­kampf 1935 für die Bei­be­hal­tung des Sta­tus Quo und gegen den Anschluss des Saar­ge­bie­tes an Nazi-Deutsch­land stark. Von ein­er über­wäl­ti­gen­den Mehr­heit der Saarländer_innen wurde Max Braun dafür ange­fein­det und bedro­ht. Nach dem ein­deu­ti­gen Votum von über 90% der Saarländer_innen für den Anschluss des Saar­ge­bie­tes an Hitler-Deutsch­land emi­grierte Max Braun, wie rund 6.000 wei­tere Saarländer_innen, zuerst nach Frank­reich, von wo aus er sei­nen anti­fa­schis­ti­schen Kampf vor allem publi­zis­tisch wei­ter­führte. Nach der Besat­zung Frank­reichs durch deut­sche Trup­pen gelang Max Braun die Flucht nach Lon­don.
In den ers­ten Nach­kriegs­jah­ren wurde die Poli­tik im Saar­ge­biet haupt­säch­lich von ehe­ma­li­gen Wider­stands­kämp­fern getra­gen, die sich in den neu zuglas­se­nen Par­teien SPS, CVP und KPS enga­gier­ten. 1947 wurde die Großher­zog-Friedrich-Straße in Saar­brü­cken in Max-Braun-Straße umbe­nannt. Doch der Sieg der pro­deut­schen „Hei­mat­bund­par­teien“, deren Akteure mehr­heit­lich ehe­ma­lige Nazis waren, bei der Abstim­mung 1955 bedeu­tete zugle­ich ein jäh­es Ende der bis dahin gepfleg­ten anti­fa­schis­ti­schen Erin­ne­rungs­kul­tur. Mit der öffent­lich­keits­wirk­sa­men Rück­be­nen­nung der Max-Braun-Straße in Großher­zog-Friedrich-Straße und zahl­rei­cher wei­te­rer Stra­ßen­um­be­nen­nun­gen sowie der Wie­der­er­rich­tung preu­ßi­scher und deut­scher Mili­tär­denk­mä­ler for­cier­ten die saar­län­di­schen Alt­na­zis eines ihrer zen­tra­len Anlie­gen: das nach­hal­tige Aus­lö­schen der Erin­ne­rung an die weni­gen saar­län­di­schen Antifaschist_innen, die sich dem Natio­nal­so­zia­lis­mus ent­ge­gen gestellt hat­ten.

Bere­its 2010 machte ein von Antifa Saar / Pro­jekt AK und dem Ver­ein CriT­hink! e.V. initi­ier­tes Bünd­nis mit ein­er Demons­tra­tion und ein­er Abend­ver­an­stal­tung auf die in Saar­brü­cken noch immer ver­drängte Erin­ne­rung an Max Braun auf­merk­sam. Dass der Saar­brü­cker Stadt­rat sich nun dazu ent­schlos­sen hat, den Namen Max Braun zurück in die Saar­brü­cker Innen­stadt zu brin­gen, ist sicher­lich ein guter Anfang. Doch in einem Land, wo eta­blierte Par­teien noch immer mit Stolz auf ihre Nazi-Grün­derväter bli­cken, wo eine „Straße des 13. Janu­ars“ den Beginn der orga­ni­sier­ten Ver­trei­bung, Ent­rech­tung und Ver­nich­tung der jüdi­schen Min­der­heit und des Ter­rors gegen die weni­gen Antifaschist_innen fei­ert, und wo die geplante Errich­tung eines Denk­mals für die aus­ge­löschte jüdi­sche Gemeinde den saar­län­di­schen Mob zur Rase­rei treibt, da bleibt noch sehr viel zu tun.

Flugblatt „In Gedenken an Max Braun“ erschienen


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Flug­blatt “In Gedenken an Max Braun” [PDF]
Aufk­le­ber zu Max Braun [PDF]

Anläßlich der Ein­wei­hung des Max-Braun-Platzes am 18.10.2012 neben der Alten Feuerwache in Saar­brück­en hat die Antifa Saar / Pro­jekt AK zur Würdi­gung Max Braun´s ein Flug­blatt über seinen poli­tis­chen Werde­gang und den Kampf gegen den Nation­al­sozial­imus an der Saar ver­fasst.

Das Flug­blatt kann hier in Druck­qual­ität herun­terge­laden wer­den oder in gedruck­ter Fas­sung bei uns bezo­gen wer­den (siehe Kon­takt). Weit­er­lesen

Einweihung des Max – Braun – Platzes in Saarbrücken am 18.10.2012

Am 18. Okto­ber 2012 soll in Saar­brück­en ein Platz nach dem saar­ländis­chen Antifaschis­ten Max Braun benan­nt wer­den, der im Zuge der Saarab­stim­mung 1935 gegen den Anschluss des Saar­lan­des an Deutsch­land kämpfte. Max Braun war in der poli­tis­chen Land­schaft des Saar­lan­des eine Aus­nah­meer­schei­n­ung, da er für eine unbe­d­ingte Aussöh­nung mit Frankre­ich ein­trat und den deutschen Nation­al­is­mus und Mil­i­taris­mus ver­ab­scheute. Nach­dem 90% der Saar­län­derin­nen und Saar­län­der am 13. Jan­u­ar 1935 nicht trotz, son­dern wegen Hitler für den Anschluss des Saar­lan­des an Deutsch­land stimmte, floh Max Braun zunächst nach Frankre­ich, später nach Eng­land. Für Braun war die Sol­i­dar­ität mit der bedro­ht­en jüdis­chen Min­der­heit ein Bestandteil sein­er poli­tis­chen und pub­lizis­tis­chen Prax­is. Weit­er­lesen

Frankfurter Rundschau: “Nach Enthüllung: FDP distanziert sich von Burschenschaft”

Frank­furter Rund­schau vom 26. Sep­tem­ber 2011

Nach Enthül­lung: FDP dis­tanziert sich von Burschen­schaft

Von Felix Hel­big

 

Der Alther­ren­vor­stand der Saar­brück­er Ghi­bellinia hat nach den Enthül­lun­gen der Frank­furter Rund­schau über ras­sis­tis­ches Gedankengut in der Burschen­schaft seinen Rück­tritt ein­gere­icht. CDU und FDP dis­tanzieren sich nun deut­lich von der Verbindung.

 

Die Enthül­lun­gen über ras­sis­tis­ches Gedankengut in der Saar­brück­er Burschen­schaft Ghi­bellinia schla­gen weit­er hohe Wellen. Neben der Saar-CDU dis­tanziert sich auch die FDP deut­lich von der schla­gen­den Verbindung. „Die Lib­eralen pfle­gen in kein­er Weise eine beson­dere Nähe zur Ghi­bellinia“, sagte der stel­lvertre­tende FDP-Lan­deschef Sebas­t­ian Greiber der Frank­furter Rund­schau. Zwar habe er im ver­gan­genen Jahr auf ein­er Festver­anstal­tung zum 130-jähri­gen Beste­hen der Burschen­schaft ein Gruß­wort gehal­ten. „Der Satz ‘Die Flamme der Burschen­schaft möge in unserem wun­der­schö­nen Saar­land ewig bren­nen’ ist dort aber nie gefall­en“, sagte Greiber. Vielmehr habe er die ver­sam­melten Burschen mit einem Zitat des franzö­sis­chen Sozial­is­ten Jean Jau­rés dazu aufgerufen, ihre Tra­di­tion „nicht nur rück­wärts gewandt zu ver­ste­hen, son­dern im Heute zu leben.“

 Vor der Zer­reißprobe

Hin­ter­grund ist ein internes Papi­er der Burschen, das die Frank­furter Rund­schau und die Berlin­er Zeitung veröf­fentlicht hat­te. Darin bericht­en die Ghi­bellinia-Aktiv­en über ver­meintliche Pogrome, bei denen sie „Neger gelyncht“ hät­ten, und laden zur „Neger­jagd“ in Afri­ka ein. Bei Ver­anstal­tun­gen der Burschen­schaft waren in der Ver­gan­gen­heit wieder­holt Spitzen­poli­tik­er von der Saar aufge­treten. „Von solchen Ein­las­sun­gen kann man sich gar nicht genug dis­tanzieren“, sagte Greiber. Bei seinem Auftritt habe es aber kein­er­lei Anze­ichen für entsprechen­des Gedankengut in der Ghi­bellinia gegeben. Vielmehr seien dort zahlre­iche hon­orige Per­sön­lichkeit­en aufge­treten. „Wenn das Papi­er den Tat­sachen entspricht, werde ich dort bes­timmt nicht mehr auftreten“, so Greiber. Ähn­lich hat­te sich auch der CDU Gen­er­alsekretär Roland The­is geäußert, der von „abstoßen­dem und wider­lichem Gedankengut“ sprach.

Vor ein­er Zer­reißprobe ste­ht nach den Enthül­lun­gen indessen die Burschen­schaft. Wie die FR erfuhr, hat der Alther­ren­vor­stand der Ghi­bellinia seinen Rück­tritt ein­gere­icht, er äußerte sich dem­nach „entset­zt“ und „zutief­st ent­täuscht“ über die „unsäglichen“ Ein­las­sun­gen der jün­geren Aktiv­en. Gegen den Ver­fass­er des Papiers, das als Pro­tokoll eines Gen­er­al­con­vents der Burschen­schaft ver­schickt wor­den war, müsse vorge­gan­gen werden.Bei den Aktiv­en sieht man die Veröf­fentlichung des Papiers der­weil als Super­gau. Die Ver­bre­itung könne den Fortbe­stand der Ghi­bellinia „ern­sthaft in Gefahr“ brin­gen. Gle­ichzeit­ig heißt es intern weit­er, die Mehrheit der Aktiv­en würde das Pro­tokoll als witzig anse­hen. Es gebe keinen Grund, gegen den Ver­fass­er vorzuge­hen.

 

http://www.fr-online.de/die-neue-rechte/nach-enthuellung-fdp-distanziert-sich-von-burschenschaft,10834438,10897724.html

Frankfurter Rundschau: “Eine Burschenschaft und ihre Spitzenpolitiker”

Frank­furter Rund­schau vom 22. Sep­tem­ber 2011

Am recht­en Rand

Eine Burschen­schaft und ihre Spitzen­poli­tik­er

Von Felix Hel­big

 

Unser­er Redak­tion wur­den Doku­mente zuge­spielt, mit denen die Burschen­schaft Ghi­bellinia in ein recht­sex­tremes Licht gestellt wird. Das Pikante: Hohe saar­ländis­che Volksvertreter pfle­gen regen Kon­takt.

 

Die alten Her­ren mit den Mützen waren bester Laune. Ihre Burschen­schaft, die stolze Ghi­bellinia zu Prag, hat­te ein Jubiläum zu feiern an diesem Abend im Mai 2010 im Saar­brück­er Schloss, der Saal war geschmückt, die Gästeliste kon­nte sich sehen lassen. Volk­er Lin­newe­ber, der Präsi­dent der Uni­ver­sität des Saar­lan­des, hielt die Fes­tansprache, der Gen­er­alsekretär der Saar-CDU, Roland The­is, über­mit­telte ein Gruß­wort des Min­is­ter­präsi­den­ten, er dank­te der Ghi­bellinia „ganz her­zlich“ für „ihr Engage­ment zur Wahrung gesellschaftlich­er, demokratis­ch­er und frei­heitlich­er Werte“. Und Sebas­t­ian Greiber, der Vize-Lan­deschef der FDP, ermunterte die Burschen zu mehr Engage­ment und rief: „Die Flamme der Burschen­schaft möge in unserem wun­der­schö­nen Saar­land ewig bren­nen.“ Begeis­tert applaudierten die alten Her­ren den Män­nern ohne Mützen, die ihnen der­art gewogen waren. Als das Fest sich dem Ende zuneigte, erk­lang im Saal das völkische Heimatlied „Deutsch ist die Saar“.

Keine harm­lose Stu­den­ten­verbindung

In Saar­brück­en haben diese Auftritte im Früh­jahr für einige Aufre­gung gesorgt. Nach ein­er Buchveröf­fentlichung, die ihre Reden bei der Ghi­bellinia doku­men­tierte, war­fen sich Spitzen­poli­tik­er im Saar­land gegen­seit­ig Kon­tak­te zu dieser Burschen­schaft vor, die schon länger im Ver­dacht ste­ht, weit am recht­en Rand zu ste­hen. Das Ganze habe sich dann aber „schnell versendet“, sagt CDU-Gen­er­alsekretär The­is der Frank­furter Rund­schau und der Berlin­er Zeitung. Es habe ja jed­er mit anderen promi­nen­ten Red­nern bei der Ghi­bellinia argu­men­tieren kön­nen. Mit dem früheren SPD-Min­is­ter­präsi­den­ten Rein­hard Klimmt etwa. Mit dem Vor­sitzen­den der Syn­a­gogenge­meinde Saar, Richard Bermann. Mit dem Uni­ver­sität­spräsi­den­ten Lin­newe­ber. Und mit großen Namen aus CDU und FDP, zum Beispiel Rain­er Brüder­le.

Auch die Ghi­bellinia nan­nte stets sie als Aushängeschilder und Ausweis ihrer Unver­fänglichkeit, die Burschen nen­nen sich „demokratisch“ und „über­parteilich“. So sahen das auch CDU und FDP in der mit den Grü­nen regieren­den Jamai­ka-Koali­tion. Es ist nur schlicht nicht richtig.

Doku­mente, die uns zuge­spielt wur­den, zeigen, dass die Ghi­bellinia vieles zu sein scheint, aber keine harm­lose Stu­den­ten­verbindung. Die 1880 in Prag gegrün­dete Burschen­schaft ist schon wegen ihrer His­to­rie belastet, unter den frühen Mit­gliedern find­en sich stramme Nazis, ihr Grün­der Karl Her­mann Wolf war Anti­semit. Und die heute Aktiv­en ste­hen ihren Vor­bildern wenig nach. So zeigt das Pro­tokoll eines Gen­er­al­con­vents der Verbindung im Jan­u­ar dieses Jahres, wie es wirk­lich bestellt ist um das Welt­bild der Bun­des­brüder.

Zusam­me­nar­beit mit der FDP

Dem­nach schwadronieren die Burschen in trauter Runde, sie hät­ten einen Brief des jüdis­chen Weltkon­gress­es bekom­men, in dem dieser sich entschuldige, „unseren AH Jury in der Ver­gan­gen­heit geschmäht zu haben“. Der „Alte Herr“ Hugo Jury begann einst als Ghi­belline, nach sein­er Kar­riere in der NSDAP wurde er 1942 SS-Ober­grup­pen­führer. Laut Pro­tokoll erwä­gen die Burschen, einen Film mit dem Titel „Jurys Liste“ zu drehen und neue Aufla­gen eines Buch­es zu druck­en, mit dem anscheinend Adolf Hitlers „Mein Kampf“ gemeint ist.

So geht das weit­er. „Es fol­gt ein kleines Progrom“, ste­ht auf der zweit­en Seite des Pro­tokolls in man­gel­hafter Rechtschrei­bung. Beschrieben wird ein offen­bar fik­tives Pogrom der Burschen, bei dem „zur Feier des Tages vier Neger gelyncht“ wer­den, „die man vorher weiß getüncht“ habe. Unter „Ver­anstal­tun­gen für das näch­ste Semes­ter“ find­en sich schließlich eine „Aktiven­fahrt nach Namib­ia zur Neger­jagd“ und „zwei wöchentliche Progrome“. Die Burschen­schaft selb­st stellt das Schrift­stück, ver­fasst und ver­schickt von einem ihrer Aktiv­en, später intern als „Satire­pro­tokoll“ dar. Auf Anfra­gen der Frank­furter Rund­schau reagiert sie nicht.

Uni­ver­sität­spräsi­dent Volk­er Lin­newe­ber spricht von „ser­iösen Leuten“ aus dem Saar­land, die immer wieder zu ihm kämen, von Anwäl­ten und Ärzten, die dann in seinem Büro säßen und ihn ein­laden wür­den zu Ver­anstal­tun­gen der Ghi­bellinia. So sei das eben „in einem kleinen Land“. Mit dem Pro­tokoll kon­fron­tiert, sagt Lin­newe­ber, „muss ich natür­lich sagen, dass ich erhe­blich schär­fer hätte recher­chieren müssen“. Die Burschen ver­hiel­ten sich an der Hochschule aber „völ­lig unschein­bar“.

Roland The­is sieht das ähn­lich. Der CDU-Gen­er­alsekretär hat­te sich bis­lang gegen alle ver­wahrt, die „die Ghi­bellinia unter Extrem­is­musver­dacht stellen“, und die Burschen „hon­orige Män­ner“ genan­nt. Nach Ansicht des Pro­tokolls spricht er von „abstoßen­dem und wider­lichem Gedankengut“, das er „mit Abscheu“ zurück­weise. Hat­te die CDU die Burschen bis­lang auch mit Spenden unter­stützt, komme er nun „zu einem anderen Ergeb­nis“, er sei „erschrock­en und über­rascht“.*

Dabei hätte nicht nur The­is schon viel früher erschrock­en und über­rascht sein kön­nen. Im Verbindung­shaus der Ghi­bellinia am Saar­brück­er Schmit­ten­berg hän­gen Alte Her­ren in ein­er Ahnen­ga­lerie, von denen intern selb­st Ghi­belli­nen zu bedenken geben, dass sie aus der Sicht von „Empörten und Aufgeregten“ als prob­lema­tisch betra­chtet wer­den kön­nten – da sie „nachgewiesen­er Maßen nicht ger­ade Fre­unde des jüdis­chen Volkes“ waren.

Und auch die Gas­tred­ner der Ghi­bellinia tau­gen keineswegs immer als Aushängeschilder: Unter ihnen find­en sich Markus Beisicht, Mit­grün­der der vom Ver­fas­sungss­chutz als recht­sex­trem eingestuften Bürg­er­be­we­gung Pro Köln, der Repub­likan­er-Vor­sitzende Rolf Schlier­er und der frühere Brigade­gen­er­al Rein­hard Günzel, der dem Kom­man­do Spezialkräfte in Afghanistan als Kom­man­deur diente. Günzel wurde 2003 in Ruh­e­s­tand ver­set­zt, weil er dem wegen ein­er anti­semi­tis­chen Rede aus der CDU aus­geschlosse­nen Bun­destagsab­ge­ord­neten Mar­tin Hohmann einen Sol­i­dar­itäts­brief geschrieben hat­te.

Richard Bermann sagt, man hätte eigentlich „nur mal im Inter­net nach­schauen“ müssen, um zu wis­sen, wes Geistes Kind die Burschen sind. Der Vor­sitzende der Syn­a­gogenge­meinde hat das selb­st ver­säumt, er sei damals „vol­lkom­men blauäugig“ als Gas­tred­ner bei der Ghi­bellinia aufge­treten, erst anschließend habe er nachge­forscht und sei „erschrock­en, was da zu Tage kam“. Als einziger dis­tanzierte er sich umge­hend von seinem Auftritt, den er heute einen „großen Fehler“ nen­nt.

Nicht genau genug nachge­forscht”

Roland The­is sagt, man habe da vielle­icht „nicht genau genug nachge­forscht“, ehe er Gruß­worte des dama­li­gen Min­is­ter­präsi­den­ten Peter Müller, der in diesem Herb­st immer­hin Ver­fas­sungsrichter wer­den will, über­mit­telte. Seine Koali­tion­spart­ner von der FDP im Saar­brück­er Land­tag sagen – nichts. Das hat Gründe: Wohl keine andere Partei im Saar­land pflegt so enge Kon­tak­te zur Burschen­schaft wie die Lib­eralen. Nicht nur haben ihre Spitzen­vertreter wie der stel­lvertre­tende Min­is­ter­präsi­dent Christoph Hart­mann der Ghi­bellinia immer wieder die Aufwartung gemacht und dabei schon mal die „inte­gra­tive Arbeit“ der Burschen­schaft gelobt, auch umgekehrt funk­tion­iert das Ver­hält­nis. So ist ein führen­der Ghi­belline auch Mit­glied im FDP-Kreisver­band Saar­brück­en. Gle­ichzeit­ig arbeit­et er für den Konz­ern des Kreisvor­sitzen­den Hart­mut Oster­mann, der mit seinen Senioren­res­i­den­zen und vielfälti­gen Kon­tak­ten als „Pate von der Saar“ gilt.

Richard Bermann nen­nt den FDP-Mann „die graue Emi­nenz“, er ken­nt die Ver­hält­nisse an der Saar, er hat sich inten­siv damit beschäftigt. Manche Partei, sagt er, habe dort eine beson­dere Geschichte. Und wolle sich offen­bar nicht damit auseinan­der­set­zen. Die FDP jeden­falls reagiert trotz mehrfach­er Ver­suche nicht auf Anfra­gen. E‑Mails und Anrufe zum The­ma Ghi­bellinia bleiben unbeant­wortet.

Uni­ver­sität­spräsi­dent Lin­newe­ber hat ger­ade erst erneut eine Ein­ladung der Ghi­bellinia erhal­ten. Er habe sie abgelehnt, sagt er.

 

 

Kon­ser­v­a­tiv bis rechts:

Die Deutsche Burschen­schaft umfasst 120 Mit­glieds­bünde mit etwa 1300 stu­den­tis­chen Aktiv­en und mehr als 10.000 soge­nan­nten Alten Her­ren. Die poli­tis­che Hal­tung reicht von kon­ser­v­a­tiv bis rechts, allerd­ings gibt es auch sozialdemokratis­che Burschen­schaften.

 Seit Früh­jahr 2011 tobt ein Stre­it um die Aus­rich­tung im Dachver­band, aus­gelöst durch Anträge auf dem — jährlich stat­tfind­en­den Burschen­tag. Darin ging es um einen “Ari­er­nach­weis”, mit dem eine Burschen­schaft aus­ländis­che Mit­glieder auss­chließen wollte.

 Ein weit­er­er Ver­bund der Burschen ist die am äußer­sten recht­en poli­tis­chen Rand zu veror­tende Burschen­schaftliche Gemein­schaft. So gilt etwa in der SPD eine Unvere­in­barkeit ihrer Verbindun­gen mit dieser Vere­ini­gung.

 

*Aktu­al­isierung am Mon­tag, 26.09.2011: Ent­ge­gen ihren früheren Aus­sagen weist die CDU Saar­land darauf hin, die Ghi­bellinia mit Spenden nicht unter­stützt zu haben.

http://www.fr-online.de/die-neue-rechte/am-rechten-rand-eine-burschenschaft-und-ihre-spitzenpolitiker,10834438,10887356.html

 

In Gedenken an die Opfer des Saarbrücker „Rote Hilfe Prozesses“

Der Stad­trat beschließt die Ver­legung von drei „Stolper­steinen“ vor dem Rathaus St. Johann. Abstim­mungsergeb­nis: Gegen die Stimme des Mit­glieds der NPD beschlossen.“
So ste­ht es im Pro­tokoll der Sitzung des Saar­brück­er Stad­trats vom 08.02.2011. Auf Anre­gung der Vere­inigten der Ver­fol­gten des Naziregimes – Bund der Antifaschis­ten (VVN-BdA) wurde beschlossen, der drei von den Nazis ermorde­ten Stad­tratsmit­glieder mit der Ver­legung so genan­nter „Stolper­steine“ zu gedenken – wenig ver­wun­der­lich gegen die Stimme des NPD-Abge­ord­neten Peter Marx.
Die „Stolper­steine“ für Fritz Dobisch (SPD), Peter Roth (Kom­mu­nis­tis­che Partei – KP) und Wen­del Schorr (KP) wur­den am 08.04.2011 vor dem Saar­brück­er Rathaus ver­legt.
Die „Stolper­steine“ sind ein Konzept, entwick­elt von Gunter Dem­nig. Mit den Gedenkplat­ten, welche zumeist vor dem let­zten Wohnort in das Pflaster ein­ge­lassen wer­den wird an von den Nazis ermordete und ver­triebene Men­schen erin­nert. Derzeit gibt es 24 „Stolper­steine“ in Saar­brück­en.

Erschienen in “Die Rote Hil­fe 03.2011”.

RoteHilfeZeitung03.2011: Der “Rote-Hil­fe-Prozess” 1938 in Saar­brück­en

Reaktionen auf unser Flugblatt „In mörderischer Tradtion“

Reak­tio­nen auf unser Flug­blatt:

Nach­dem mehrere tausend Exem­plare unseres Flug­blatts „In mörderisch­er Tra­di­tion“ über die Burschen­schaft Ghi­bellinia zu Prag an zahlre­ichen Orten verteilt wur­den, kamen nach und nach erste Reak­tio­nen von unter­schiedlich­ster Seite. Neben viel pos­i­tivem Feed­back woll­ten es sich auch einige der schla­gen­den Burschen nicht nehmen lassen, auf teils äußerst pein­liche Art und Weise zu reagieren:

Bei ein­er Verteilak­tion am 17. April vor der Saar­brück­er Men­sa stürmte der Saar­brück­er Ghi­belline Chris­t­ian Wirth mit hochrotem Kopf auf die verteilen­den Antifaschis­ten zu, ver­suchte ihnen die Flug­blät­ter zu entreißen, schub­ste einige Per­so­n­en und schrie „Ich lasse mich von denen nicht dauernd als Faschist beze­ich­nen!“. Ein Ver­hal­ten das eigentlich so gar nicht zu dem Bild passt, dass die Saar­brück­er Ghi­belli­nen gerne von sich in der Öffentlichkeit zeich­nen, ger­ade seit in den let­zten Monat­en immer wieder Vor­würfe gegen sie erhoben wur­den. Dass es sich bei der Burschen­schaft eben nicht um „unbescholtene Akademik­er-Vere­ini­gung“ han­delt, kon­nten dementsprechend auch mehrere hun­dert Per­so­n­en zur Mit­tagszeit vor der Men­sa beobacht­en.
Schützen­hil­fe bekam der schla­gende Bursche von einem Ex-Ger­ma­nen, der sich nicht ent­blödete ein Mit­glied der Ger­ma­nia als jüdis­chen Kro­nzeu­gen her­anzuziehen.
Zuvor erhiel­ten zwei Antifaschis­ten bere­its Hausver­bot durch die Ghi­belli­nen, als sie in der Nach­barschaft des Burschen­schaftlichen Haus­es Am Schmit­ten­berg in Schei­dt Flug­blät­ter verteil­ten und Anwohner_innen über ihre Nach­barn aufk­lärten. Anschließend set­zten mehrere der Burschen den bei­den Verteilen­den zu Fuß und mit dem Auto nach und ver­fol­gten sie während ihrer weit­eren Verteilak­tion.

Saar­ländis­che Antifaschist_innen fuhren bis nach Prag, dem Grün­dung­sort der Ghi­belli­nen, um dort Tourist_innen und Ein­heimis­che über die Deutschna­tionalen Burschen zu informieren. Unser Foto zeigt einen Genossen beim Verteilen des Flug­blatts vor der Prager Burg.

Flugblatt zum diesjährigen Ostermarsch in Saarbrücken

Am Oster­sam­stag, 23. April 2011 fand in Saar­brück­en der alljährliche Oster­marsch unter dem diesjähri­gen Mot­to “Trup­pen raus aus Afghanistan — Bun­deswehr nix wie hemm” statt.

Im Fol­gen­den doku­men­tieren wir das Flug­blatt „Zwis­chen “Nix wie Hemm” und “Heim ins Reich” — Anmerkun­gen zum Saar­brück­er Oster­marsch“, welch­es sich kri­tisch mit der inhaltlichen Aus­rich­tung des Oster­marsches und dem dort aufge­trete­nen Lie­der­ma­ch­er David Rovics auseinan­der­set­zt.

Flug­blatt „Zwis­chen “Nix wie Hemm” und “Heim ins Reich”
— Anmerkun­gen zum Saar­brück­er Oster­marsch“

Antifa Saar zu Gast im saarländischen Landtag

Anhörung der Antifa Saar / Pro­jekt AK im saar­ländis­chen Land­tag

Am Mon­tag, dem 18. April 2010 fand im saar­ländis­chen Land­tag auf Ein­ladung des Vor­sitzen­den des Innenauss­chuss Lothar Schnitzer (MdL, dieLinke) eine öffentliche Anhörung der Antifa Saar / Pro­jekt AK zur The­matik „Pri­vate Sicher­heits­di­en­ste und deren Ver­strick­un­gen mit der Neon­azi-Szene im Saar­land“ statt.
Zu dieser Ver­anstal­tung an einem für die saar­ländis­che Antifa doch eher unge­wohn­ten Ort kam es auf­grund ver­schieden­er Ereignisse des let­zten Jahres. Weit­er­lesen