75 Jahre Bombardierung Saarbrückens… Wir feiern!

Heute haben sich einige Saarbrücker Antifaschist_innen vor der Ludwigskirche verabredet, um dort mit ein wenig Crémant darauf anzustoßen, dass die Welt mit der Bombardierung Saarbrückens der Befreiung vom Nationalsozialismus einen Schritt näher gekommen ist.

Wer dieser Tage die Home­page der Lud­wigskirche besucht, muss sich schon sehr wun­dern: In der Nacht vom 5. auf den 6. Okto­ber 1944 hät­ten qua­si aus dem Nichts britis­che Bomber Saar­brück­en “mit Spreng- und Brand­bomben” über­zo­gen. Es sei “eine schreck­liche Nacht” für die ahnungslosen Saarbrücker_innen gewe­sen, denen sich am näch­sten Mor­gen “ein Bild der Zer­störung” geboten hätte.

Kein Wort wird während­dessen auf der sel­ben Home­page darauf ver­wen­det, dass die Bom­bardierung Saar­brück­ens nicht ohne Grund stat­tfand. Kein Wort wird über die Ver­brechen der Wehrma­cht, die rück­sicht­slose Schikane und Ver­nich­tung von tausenden jüdis­chen Men­schen und die all­ge­meine Zus­tim­mung der Saarländer_innen für Hitler und den Nation­al­sozial­is­mus ver­loren. Die evan­ge­lis­che Kirchenge­meinde unter­schlägt gän­zlich diese his­torischen Tat­sachen und reagierte entsprechend nervös als plöt­zlich vor Beginn ein­er Gedenkver­anstal­tung an die sog. Opfer der Bom­bardierung Saar­brück­ens ein Dutzend Antifaschist_innen vor der Lud­wigskirche auf­taucht­en, um dort die Besucher_innen auf diesen Umstand aufmerk­sam zu machen.

Wir sehen es als einen Skan­dal an, dass bei diesen Gedenk­feier­lichkeit­en hier so getan wird, als wären die britis­chen Bomber aus dem Nichts gekom­men. Deutsch­land führte 1944 einen erbar­mungslosen Raub- und Ver­nich­tungskrieg, an dem sich auch viele Saarbrücker_innen beteiligten. Es kann nicht sein, dass Deutsche hier als Opfer des Zweit­en Weltkrieges dargestellt wer­den. Mit diesem deutschen Opfermythos muss Schluss sein!“, sagte Press­esprech­er Alexan­der Breser von der Antifa Saar an diesem son­ni­gen Mor­gen.

An dem Tre­f­fen haben sich Saar­brück­er Antifaschist_innen beteiligt, die alle der Mei­n­ung waren, dass die Bom­bardierung Saar­brück­ens und ander­er Städte des NS-Reich­es kein Trauertag sein sollte. Wir fordern, dass Ver­anstal­tun­gen wie diese aufhören. Stattdessen fordern wir ein würdi­ges Gedenken an die Opfer der Nationalsozialist_innen. Viele der Besucher_innen zeigten sich eben­falls sehr inter­essiert an den Argu­menten der Aktivist_innen, die vor Ort mit Ban­nern, ein­er Alli­ierten­fahne und Flug­blät­tern aufge­taucht waren und disku­tierten bei einem Glas Cré­mant mit diesen sehr aus­führlich über die his­torischen Hin­ter­gründe der Bom­bardierung Saar­brück­ens.

Ger­ade die Saarländer_innen scheinen sehr vergesslich zu sein, wenn es um ihre NS-Ver­gan­gen­heit geht. Das sieht man nicht nur an Events wie diesem. Beispiel­sweise sollte 2016 in Riegels­berg das NS-Denkmal „Hin­den­burgturm“ als Kriegerdenkmal wieder­belebt wer­den. Aber auch die Kon­tro­verse um die NS-Ver­gan­gen­heit des ehe­ma­li­gen saar­ländis­chen Min­is­ter­präsi­den­ten Franz-Josef Röder zeigen, dass sog­ar vie­len saar­ländis­chen Historiker_innen sehr an der weißen Weste der Saarländer_innen gele­gen ist.

Die Ver­anstal­tung selb­st blieb von der kleinen Par­ty nicht unbeein­druckt. So musste selb­st der Leit­er des Stadtarchivs, Hans-Chris­t­ian Her­rmann, zugeben, dass die Bom­bardierung Saar­brück­ens vor dem Hin­ter­grund des Raub- und Ver­nich­tungskrieg des nation­al­sozial­is­tis­chen Deutsch­lands betra­chtet wer­den muss. Her­mann erlangte anlässlich der Röder-Debat­te zweifel­hafte Berühmtheit, da er klare Beweise für die NS-Ver­gan­gen­heit des Ex-Min­is­ter­präsi­den­ten in ver­gan­genen Pub­lika­tio­nen unter­schlug.

Es wird sich­er nicht das let­zte Mal gewe­sen sein, dass wir die Saarländer_innen an ihre NS-Ver­gan­gen­heit erin­nern müssen. Wir bleiben an den The­ma dran und fordern nach wie vor:

Schluss mit der Schmier­en­tragödie vom Deutschen Opfermythos!
Gedenkt der wahren Opfer des nation­al­sozial­is­tis­chen Ter­rors!
Deutsche Täter_innen sind keine Opfer!
Nie wieder Deutsch­land!

Unser Poster “Sowas kommt von sowas” zum Herun­ter­laden

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