Prozess zum rassistischen Brandanschlag von Saarlouis 1991 und zum Mord an Samuel Kofi Yeboah

Der Prozess gegen den bekan­nten Saar­louis­er Neon­azi Peter Wern­er Schlap­pal (heute Schröder) aus Saar­louis hat am 16. Novem­ber vor dem OLG in Koblenz begonnen — über 30 Jahre nach der Tat. Die Gen­er­al­bun­de­san­waltschaft (GBA) klagt den Tatverdächti­gen des Mordes an Samuel Kofi Yeboah, des ver­sucht­en Mordes an 20 Men­schen und der Brand­s­tiftung mit Todes­folge an. Der Anklage der GBA haben sich drei Betrof­fene des Bran­dan­schlags als Neben­kläger angeschlossen, vertreten u.a. durch die Anwält:innen Kristin Pietrzyk und Alexan­der Hoff­mann (Mit­tler­weile sind es acht Neben­kläger, Stand: 16.01.23).

Aufk­lärung
Als Antifa Saar / Pro­jekt AK haben wir seit fast 30 Jahren Gerechtigkeit für Samuel Yeboah gefordert, gemein­sam mit der Aktion Dritte Welt Saar, dem Saar­ländis­chen Flüchtlingsrat und anderen antifaschis­tis­chen Ini­tia­tiv­en. Wir haben Aufk­lärung dieses Ver­brechens gefordert, Benen­nung der ras­sis­tis­chen Tat als solche, anstatt Ver­leug­nung und Ver­harm­lo­sung durch die staatlichen Behör­den. Wir haben gefordert, Kon­se­quen­zen zu ziehen angesichts des recht­en Ter­rors, nicht nur in der Nazi-Hochburg Saar­louis in den 90er Jahren. (Siehe auch: Inter­view mit Mit­gliedern der ehe­ma­li­gen Antifa Saar­louis) Jet­zt wird sich das OLG nach über 30 Jahren auf Indizien und Zeug:innenaussagen stützen müssen.

Die Täter
Angeklagt ist Schlap­pal als Einzeltäter, der „aus sein­er recht­sex­trem­istis­chen und ras­sis­tis­chen Gesin­nung her­aus“ den Brand gelegt haben soll (siehe auch: Samuel Yeboah: Nazi Peter Schlap­pal wegen Mord­ver­dacht ver­haftet). Dabei spie­len seine Zuge­hörigkeit zur extrem recht­en Szene im Saar­land und seine guten Kon­tak­te zu führen­den Nazikadern, auch bun­desweit, eine entschei­dende Rolle. All­seits bekan­nt als prügel­nder Naziskin und tief in saar­ländis­chen Nazistruk­turen verortet, „pfif­f­en es die Spatzen von den Däch­ern“ (siehe auch: Zur Per­son: Peter Schlap­pal, der Hauptverdächtige im Mord­fall Samuel Yeboah ist seit Jahrzehn­ten bekan­nt), dass Saar­louis­er Nazis die Täter waren. Viele sein­er Nazi-Kamerad:innen sind als Zeug:innen geladen, viele wur­den im Zuge der aktuellen Ermit­tlun­gen überwacht. Wir sind ges­pan­nt auf die Entwick­lung im Fort­gang des Prozess­es, und ob die zweifel­hafte Einzeltäterthese aufrechter­hal­ten wird.

Die Nicht-Ermit­tlun­gen
Die dama­li­gen Ermit­tlun­gen zum Bran­dan­schlag wur­den nach rund einem Jahr ergeb­nis­los eingestellt, viele wichtige Beweis­mit­tel sind „unterge­gan­gen“ (siehe auch: Kleine Anfrage von Mar­ti­na Ren­ner, MdB: Der Mord an Samuel Kofi Yeboah und weit­ere ungek­lärte recht­ster­ror­is­tis­che Ver­dachts­fälle). Das Ver­sagen der ermit­tel­nden Behör­den ist der­art skan­dalös, dass dies im Ver­fahren ein zen­trales The­ma sein muss, wenn es um die Aufk­lärung geht. Das struk­turelle Prob­lem der saar­ländis­chen Behör­den wird auch in dem Zusam­men­hang klar, wenn ein Licht auf die unfass­bare Serie von mörderischen Anschlä­gen in den 90er Jahren in und um Saar­louis fällt, die nicht aufgek­lärt wur­den (siehe auch: Der Mord an Samuel Yeboah – über Nazi-Ter­ror und das Ver­sagen der Behör­den im Saar­land — ein aus­führlich­er Beitrag). Den dama­li­gen „Ver­säum­nis­sen“ soll nun durch interne Ermit­tlun­gen bei der saar­ländis­chen Polizei nachge­gan­gen wer­den. Der saar­ländis­che Ver­fas­sungss­chutz war gle­ich­sam nicht wil­lens oder nicht in der Lage, gegen die Nazis vorzuge­hen und sollte am besten gle­ich ganz aufgelöst werden.

Gerechtigkeit für die Über­leben­den
Dass sich Betrof­fene zu ein­er Neben­klage entschlossen haben, ist ein großer Schritt zu ein­er Per­spek­tive, die auch den struk­turellen Ras­sis­mus des deutschen Staates anklagt. Die Geschichte der Über­leben­den des Bran­dan­schlages wird gehört wer­den, ihre Auseinan­der­set­zung mit dem alltäglichen Ras­sis­mus der Behör­den, mit den Angrif­f­en durch den ras­sis­tis­chen Mob wird durch die Schilderung des erlebten deut­lich gemacht. Der gesellschaftliche Ras­sis­mus hat Wirkung gezeigt. Viele der Betrof­fe­nen sind nicht mehr in Deutsch­land, wur­den abgeschoben oder sind wegge­zo­gen. Wir wün­schen den Über­leben­den des ras­sis­tis­chen Bran­dan­schlags alle Kraft, die Aufar­beitung dieses Ver­brechens gut durchzustehen.

Wird jet­zt alles gut?
Dieser Prozess zeigt uns eines, egal wie das Urteil gegen Schlap­pal am Ende aus­fällt: Der Rechtsstaat wird gesiegt haben, Deutsch­land wird sich uns präsen­tieren als ein nun­mehr besseres, geläutertes Deutsch­land. Mit der gerichtlichen Aufar­beitung des Ver­brechens begin­nt die Ein­hegung des Gedenkens und der Forderung nach Gerechtigkeit. Aber wir lassen uns nicht blenden: Nicht ver­han­delt wird die Unter­stützung der Naz­iban­den, der Auf­bau von Nazistruk­turen, der all­ge­gen­wär­tige rechte Ter­ror im Saar­land in den 90er Jahren und darüber hin­aus. Auch nicht ver­han­delt wird die geistige Brand­s­tiftung durch Poli­tik und Medi­en, und nicht die fak­tis­che Abschaf­fung des Asyl­rechts, auch nicht die Ertrunk­e­nen im Mit­telmeer. Und solange das so ist, machen wir keinen Frieden mit den deutschen Zuständen.

Kein Schlussstrich!
Offen­le­gung aller Akten im Fall Yeboah!
Ein­rich­tung eines par­la­men­tarischen Unter­suchungsauss­chuss­es!

Entschädi­gung für die Betrof­fe­nen des ras­sis­tis­chen Bran­dan­schlags!
„Ver­fas­sungss­chutz“ abschaf­fen!
Nazistruk­turen kon­se­quent zerschlagen!

Der Prozess ist öffentlich, die Ver­hand­lun­gen find­en statt am Ober­lan­des­gericht Koblenz, Stre­se­mannstr. 1. Die Ver­hand­lungstage sind jew­eils mon­tags und dien­stags ab 9:30 Uhr, bish­er sind Ter­mine bis Mitte April festgesetzt.

Der Prozess wird von mehreren Ini­tia­tiv­en beobachtet, wir doku­men­tieren im Fol­gen­den die Twit­ter-Threads zur Prozess­beobach­tung von NSU-Watch zu den einzel­nen Verhandlungstagen.

Aus­führliche Berichte von NSU-Watch zum Prozess find­en sich hier: https://www.nsu-watch.info/2022/11/prozess-zum-rassistischen-brandanschlag-von-saarlouis-1991-und-zum-mord-an-samuel-kofi-yeboah-laufend-ergaenzt/

12. Prozesstag 17.01.2023 
NSU-Watch auf Twitter https://twitter.com/nsuwatch/status/1616089521229271042
Am 17.1.23 (12. Verhandlungstag) am OLG #Koblenz wurden im Prozess zum rassistischen Brandanschlag 1991 in #Saarlouis, bei dem Samuel Kofi Yeboah ermordet wurde, erneut Zweifel an den polizeilichen Zeugenvernehmungen von 1991 deutlich. Im Fokus: Die Vernehmungsprotokolle.
Am 17.1.2023 sagten vor dem großen Strafsenat (Staatsschutz) am OLG #Koblenz vier Zeug*innen aus. Zunächst ein Polizist, der in der Nacht des Brandanschlags, am 19.9.1991, mit einem Kollegen auf Streifenfahrt war, als der Alarmruf kam. Sie waren früh am Tatort, sahen das Feuer.
Zum Brandgeschehen konnte der Zeuge keine neuen Beobachtungen für die Beweisaufnahme am OLG #Koblenz beitragen. Er und sein Kollege (Zeuge am 7. Prozesstag, 19.12.2022) hätten die Unterkunft für Geflüchtete am 19.9.1991 nicht betreten.
Gut erinnerlich war dem Polizei-Zeugen seine Einschätzung zur Nazi-Skinhead-Szene in #Saarlouis der 1990er Jahre. Nach seinem Eindruck sei das eine Szene ohne "rassistische Veranlagung" gewesen, deren Gewalt sei "nicht politisch-rassistisch" gewesen.
Nach der Vernehmung des heute pensionierten Polizei-Beamten befragte der Senat zwei damalige Nachbarinnen. Sie waren seinerzeit 15 und 25 Jahre alt, lebten in unmittelbarer Nähe der Unterkunft und waren in der Brandnacht Augenzeuginnen.
Die damals 15-jährige Zeugin berichtete: Ihre Befragung bei der Polizei habe damals ohne ihre Mutter stattgefunden. Sie erinnere sich an den Eindruck, dass die Zeuginnenvernehmung außerdem sehr kurz gewesen sei - vielleicht "nur 10 Minuten".
In der Aussage am 12. Prozesstag ging es auch um die wichtige Beobachtung eines Autos an der Unterkunft. Zwei Personen, weiß, vermummt, dunkel gekleidet, seien kurz nach Brandausbruch eingestiegen, unter Rufen in deutscher Sprache:"Schnell weg!"
Der Angeklagte: #KeinEinzeltaeter?
Im damaligen Vernehmungsprotokoll zu ihrer Aussage ist allerdings von einer einzelnen, schwarzen Person am Auto die Rede. Anders als im Protokoll vermerkt habe sie Begriffe wie das N-Wort in ihrer Zeuginnenvernehmung damals sicher nicht genutzt, das erinnerte die Zeugin klar.
Diese und auch die Zeuginnenvernehmung der damals 25-jährigen Nachbarin der damaligen Unterkunft für Geflüchtete ließen am 17.1.2023 am OLG #Koblenz erhebliche Zweifel aufkommen darüber, ob die Ermittungsbeamt*innen seinerzeit die Aussagen korrekt protokolliert hatten.
Es könne hingegen gut sein, so der Senat am 17.1.2023 im Prozess zum Brandanschlag von #Saarlouis 1991, dass die Vernehmungen damals "falsch aufgeschrieben" worden seien.
Der 12. Prozesstag am OLG #Koblenz endete mit der Aussage eines Brandsachverständigen - erneut mit Fragen zur Menge des Brandbeschleunigers ("Ottokraftstoff"), der für die tödliche Branddynamik hätte ausreichen können.
Der Prozess zum rassistischen Brandanschlag von #Saarlouis 1991 wird am 23.01.2023 fortgesetzt. Die Prozessbeobachtung am OLG #Koblenz ist möglich unter Vorlage eines Ausweisdokumentes. Öffentlichkeit kann Aufmerksamkeit schaffen. #AufklaerenUndEinmischen. 
11. Prozesstag 16.01.2023 
NSU-Watch auf Twitter https://twitter.com/nsuwatch/status/1615736668165636098
 „... wir waren so jung“: Am 16.1. sagten im Prozess zum rassistischen Brandanschlag 1991 in #Saarlouis, bei dem Samuel Kofi Yeboah ermordet wurde, drei Überlebende aus, die bisher noch keine Nebenkläger waren. Sie schlossen sich nun dem Verfahren als Nebenkläger an.
Zwei der am 16.1. gehörten Zeugen lebten damals im Erdgeschoss der Unterkunft für Geflüchtete in #Saarlouis-Fraulautern. Der dritte Überlebende, der zum OLG #Koblenz gekommen war, lebte im 2. Stock des ehemaligen Hotels.
Die Zeugen berichteten von ihren Erinnerungen an Rauch und Feuer in der Nacht des 19.9.1991 – im Treppenhaus der Unterkunft in #Saarlouis. Sie erinnerten die Schreie aus dem Dachgeschoss des Hauses, die Hilferufe des tödlich verletzten Samuel Kofi Yeboah.
Zwei der Zeugen lebten damals mit ihrem Cousin (Zeuge am 10. Prozesstag) in einem Zimmer im Erdgeschoss der Unterkunft in #Saarlouis. Einer der Zeugen feierte an diesem Abend seinen 17. Geburtstag.
Bei der Befragung der drei Überlebenden am OLG #Koblenz beleuchtete der Senat auch die Vernehmungsprotokolle der Zeugen bei der Polizei im September 1991. Erneut: mit Fragezeichen dazu, wie aussagekräftig die Protokolle angesichts der damaligen Protokollführung heute noch seien.
Die drei Zeugen am 16.1.23 sind nun ebenfalls im Prozess zum Brandanschlag #Saarlouis 1991 als Nebenkläger zugelassen. Es gibt jetzt acht Nebenkläger (u.a. anwaltlich vertreten von @raahoff, @RA_Elberling & @RPietrzyk). Ein wichtiger Punkt bei der Anerkennung des Erlebten.
Ein Nebenkläger erinnert sich: Damals „hat keiner gefragt, wie es uns geht. Keiner hat sich gekümmert, keiner hat mit uns geredet.“ Der Prozess in #Koblenz zeigt einmal mehr, wie wichtig die Überlebenden-Perspektiven sind – auch mehr als 31 Jahre nach dem Anschlag.
10. Prozesstag, 10.01.2023 
NSU-Watch auf Twitter https://twitter.com/nsuwatch/status/1613882915552624644
Beim Prozess zum rassistischen Brandanschlag #Saarlouis 1991, bei dem Samuel Kofi Yeboah ermordet wurde, sagte am vergangenen Dienstag, dem 10. Prozesstag, ein Überlebender des Anschlags aus. Am OLG #Koblenz erinnerte er sich an die Nacht vom 18. auf den 19.9.1991.
Der damals 13-Jährige lebte mit zwei Cousins im Erdgeschoss der Unterkunft für Geflüchtete. Er habe als erster den Brand wahrgenommen, warnend an die Türen der Mitbewohner*innen geklopft, Alarm geschlagen.
Vor Ausbruch des Feuers habe er, so der Zeuge im Prozess in #Koblenz, mit einem seiner Cousins, kaum älter als er selbst, vor der Tür des Hauses nachgesehen – sie hätten draußen Geräusche gehört, aber nichts gesehen.
Erst wenige Monate vor dem Brandanschlag am 19.9.1991 auf die Bewohner*innen des ehemaligen Hotels in #Fraulautern war er aus Ex-Jugoslawien nach #Saarlouis gekommen. In der kurzen Zeit habe er Samuel Kofi Yeboah kennengelernt. Sie trainierten zusammen boxen. Er mochte ihn.
Die Befragung des Zeugen und seiner Cousins, die mit ihm damals ein Zimmer in der Unterkunft teilten und die wie er den Brandanschlag von #Saarlouis 1991 überlebten, muss in den kommenden Prozesswochen weitergeführt werden. Der Senat unterbrach die Sitzung vorzeitig.
Nach Hinweis über Kreislaufbeschwerden und Unwohlsein wurde der Angeklagte Peter S. ärztlich untersucht und mit dem RTW in ein Krankenhaus gebracht. Es steht aber zu vermuten, dass die Hauptverhandlung am 11. Prozesstag, am kommenden Montag, 16.1.2023, fortgesetzt werden kann.
9. Prozesstag, 09.01.2023 
NSU-Watch auf Twitter https://twitter.com/nsuwatch/status/1613879010202685440
Mit schwesterlich geteiltem Entlastungswunsch: Im Prozess zum rassistischen Brandanschlag in #Saarlouis 1991, bei dem Samuel Kofi Yeboah ermordet wurde, waren am Montag (9.1.23), dem 9. Verhandlungstag, vier Geschwister des Angeklagten vor dem OLG #Koblenz als Zeuginnen geladen. 
Die vier Schwestern sagten als Zeuginnen vor dem 4. (dem Staatsschutz-) Senat des OLG #Koblenz aus. Als Angehörige des Angeklagten hätten sie schweigen können, erklärten aber, ihren Bruder mit ihren Aussagen entlasten zu wollen. Am Ende in bemerkenswert ähnlichem Ton & Wortlaut. 
Die Schwestern zeichneten ein Bild von S. als liebevoller Familienmensch. Damals, 1991, mit 20: als für sein Alter etwas kindischen, aber lustigen Kerl, nie aggressiv, trotz gelegentlichen Alkoholrauschs; wie seine Freunde aus der #Skinhead-Szene von #Saarlouis: "Goldige Jungs". 
Die jüngste Schwester, Simone, war ab ca. 1994/95 mit 14 Jahren selbst Teil der Skinheadszene, die „Prinzessin“ im engeren Umfeld ihre Bruders: Kneipenrunden, „Mäxchenspiele“ in Sauflaune, keine Politik – das sei ihre Erinnerung an die Naziskinheads von #Saarlouis & ihren Bruder. 
Auf Nachfrage von Nebenklage-RA @raahoff erinnerte sich Simone A., jüngste Schwester von Peter Schlappal (heute: Peter S.), dann doch: am Lagerfeuer sei damals hin und wieder Hitler verehrt worden, nicht aggressiv allerdings. Ihre Szenekleidung sei außerdem v.a. modisch gewesen.
Der Senat am OLG #Koblenz ließ durchblicken, dass die Aussagen von Simone A. und ihren Schwestern – vor allem dazu, wie und wann sie seitdem in der Familie über den Brandanschlag von #Saarlouis 1991 gesprochen hätten, in Zweifel zu ziehen seien. 
Alle vier Zeuginnen gaben am 9.1.2023 vor dem OLG #Koblenz an, sich nicht an den Brandanschlag in #Saarlouis vom 19.9.1991 zu erinnern. Sie lebten damals alle in oder nahe der Stadt, waren zwischen 11 und um die 30 Jahre alt. 
7. und 8. Prozesstag, 19./20.12.2022 
NSU-Watch auf Twitter https://twitter.com/nsuwatch/status/1606258381815259138
Sicher: Brandstiftung. Unklar: Aufklärungsbemühen 1991. Unwissend: Staatsschutz. Ungeschickt: LKA im OLG #Koblenz. Am 7. & 8. Verhandlungstag im Prozess zum rassistischen Brandanschlag von #Saarlouis 1991 und zum Mord an Samuel Kofi Yeboah sagten u.a. 7 Polizisten aus. 
1-3 l Benzin dürften lt. Brandermittlern genügt haben für die Brandstiftung in der Unterkunft in #Saarlouis-Fraulautern in der Nacht des 19.9.91. Das Feuer wurde sicher durch flüssigen Brandbeschleuniger am unteren Treppenbereich gelegt, durch "Kamineffekt" mit tödlicher Dynamik. 
Durch den Brandanschlag in #Saarlouis wurde am 19.9.1991 Samuel Kofi Yeboah ermordet. Zeugenaussagen der ermittelnden Polizeibeamten von 1991 brachten in dieser Verhandlungswoche am 19. & 20.12.2022 vielschichtige Erkenntnisse - 6 Beispiele: 
1. Keiner der in der Hauptverhandlung am OLG #Koblenz befragten Polizeibeamten will den Benzinkanister, der am Tatort in der Unterkunft in #Saarlouis-Fraulautern am Morgen des 19.9.1991 gesehen wurde, an sich genommen haben in der Spurensicherung. Sein Verbleib: unklar. 
2. Postkarte mit Hetze gegen Flucht und Migration, die nach dem Anschlag bei der Polizei einging, wurde im Prozess zwar "Bekennerschreiben" genannt, vom damaligen Leiter der Ermittlungsgruppe heute aber als "haltloses Zeug" bezeichnet, der Absender wurde damals nicht ermittelt. 
3. Partnerin eines Überlebenden, die ihn zur Vernehmung 1991 begleitete, zeigte am 20.12.22 als Zeugin: Betroffene wurden nicht angemessen gehört, Übersetzungen nicht sachgemäß durchgeführt, Beobachtungen nicht korrekt zu Protokoll genommen. Opferrechte: Leerstelle. 
4. Der damalige Staatsschutz gab sich im OLG #Koblenz bisher als kenntnislos. Hinweise auf "Skinheadszene" wurden keine 4 Wochen nach dem Anschlag verworfen: "Zusammenhang mit der Mordsache besteht nicht" (10.10.1991). Virulente Nazi-Szene in #Saarlouis: mindestens unterschätzt. 
5. Keiner der Staatsschützer erinnerte sich bisher im Prozess zum Brandanschlag von #Saarlouis daran, dass am 28.9.91 im 40 km entfernten St. Ingbert ein Nazi-Konzert mit "Screwdriver" internationale rechter Terror-Akteure ins #Saarland holte & die regionale Szene mobilisierte. 
6. Der aktuelle Staatsschutz des LKA Saarland beobachtet allerdings gegenwärtig den Prozess am OLG Koblenz. 2 Beamte in Zivil sprachen dabei mit den älteren “Kollegen”, die als Zeugen geladen waren, führten im Gerichtssaal Mobiltelefone mit sich. Beides: ernüchternd ungeschickt. 
Die Hauptverhandlung wird am 9. Januar 23 fortgesetzt. Der Prozess braucht öffentliche Aufmerksamkeit - mit Blick auf Nazi-Zusammenhänge im #Saarland, mit kritischer Beobachtung von Behördenhandeln 1991 bis heute. In Unterstützung der Überlebenden. #Opferhilfefonds 
6. Prozesstag, 13.12.2022 
NSU-Watch auf Twitter 
https://twitter.com/nsuwatch/status/1604766810972344320
Brandstiftung - "klipp und klar". Am vergangenen Dienstag, 13.12.22 sagten am 6. Verhandlungstag im Prozess zum rassistischen Brandanschlag von #Saarlouis 1991 vor dem OLG #Koblenz 4 Feuerwehrleute aus. Einer von ihnen hatte keine Atemschutzmaske. Er erinnert den Benzingeruch.
5. Prozesstag, 12.12.2022 
NSU-Watch auf Twitter 
https://twitter.com/nsuwatch/status/1604766810972344320
"Wir kennen alle seine Stimme." Am 5. Prozesstag der Hauptverhandlung am OLG #Koblenz zum rassistischen Brandanschlag von #Saarlouis & zum Mord an Samuel Kofi Yeboah am 19.9.1991 berichteten drei Überlebende: Von der Nacht des Anschlags, ihren Erinnerungen, den Folgen. 
Im Prozess zum rassistischen Brandanschlag von #Saarlouis 1991 haben sich drei Überlebende als Nebenkläger*innen der Anklage der #Generalbundesanwaltschaft angeschlossen. Sie sagten am 12.12.2022 vor dem OLG #Koblenz aus. 
In der Nacht des 19.9.1991 wurden sie von Feuer & Rauch im Schlaf überrascht. Das Treppenhaus der Unterkunft in #Saarlouis stand in Flammen. Aus dem Dachgeschoss: Samuel Kofi Yeboahs Schreie, seine Hilferufe. Die brennende Holztreppe aber war unüberwindbar, keine Rettung möglich. 
Den Überlebenden gelang die Flucht aus dem brennenden Gebäude in #Saarlouis durch Sprung aus dem Fenster oder über eine Feuerleiter. Die Leiter aber endete in der 2. Etage. Samuel Kofi Yeboah war im Dachgeschoss von jedem Fluchtweg abgeschnitten. 
Die Nebenkläger*innen schilderten am 5. Prozesstag vor dem OLG #Koblenz, wie Samuel Kofi Yeboah von der Feuerwehr geborgen wurde, schwerstverletzt. Sie versuchten, ihn im Krankenhaus noch einmal zu sehen. Er starb in den frühen Morgenstunden. 
Vor Gericht am OLG #Koblenz berichteten die Nebenkläger*innen: In der Brandnacht unterstützten Nachbar*innen sie mit Decken. Am selben Tag noch wurden sie verhört, blieben aber ohne ausreichende Kleidung, unversorgt mit Schmerzen, Hunger und Durst - und ihrem Erleben der Nacht. 
Im Januar 2021, nach Wiederaufnahme der Ermittlungen zum rassistischen Brandanschlag von #Saarlouis vom 19.9.1991, konnten sie ihre Erinnerungen erneut zur Aussage geben, ein zweites Mal. Fast 30 Jahre später. 
Am OLG #Koblenz hörten wir am 5. Prozesstag: Einem der Überlebenden des rassistischen Brandanschlags von #Saarlouis wurde seine Aussage vom 19.9.1991 im Protokoll in deutscher Sprache zur Unterschrift vorgelegt, eine Übersetzung gab es nicht. 
Heute, im Dezember 2022 schildern die Überlebenden als Nebenkläger*innen im Prozess zum rassistischen Brandanschlag von #Saarlouis 1991 ihre Erinnerungen, so klar sie es heute noch können. Zu der Nacht, zu Samuel Kofi Yeboahs Stimme: "Diesen Tag werde ich nie vergessen." 
Brandstiftung - "klipp und klar". Am vergangenen Dienstag, 13.12.22 sagten am 6. Verhandlungstag im Prozess zum rassistischen Brandanschlag von #Saarlouis 1991 vor dem OLG #Koblenz 4 Feuerwehrleute aus. Einer von ihnen hatte keine Atemschutzmaske. Er erinnert den Benzingeruch. 
4. Prozesstag, 05.12.2022 NSU-Watch auf Twitter 
https://twitter.com/nsuwatch/status/1600124745701216256
Im Prozess zum rassistischen Brandanschlag und zum Mord an Samuel Kofi Yeboah 1991 in #Saarlouis am OLG #Koblenz geht es heute weiter. Der Angeklagte hat angekündigt, sich zu seiner politischen Biographie einlassen zu wollen.
Zu seiner #Neonazi-Biographie wollte der Angeklagte überraschend doch nicht aussagen: Am 4. Tag im Prozess zum Brandanschlag von #Saarlouis 1991 führte das Gericht in #Koblenz stattdessen über Fotos Beweismittel zu seiner extrem rechten Ideologie und Szene-Einbettung ein.
Erst am 2. Prozesstag am OLG #Koblenz hatte die Verteidigung von Peter S. (1991: Peter Schlappal) angekündigt, ihr Mandant werde sich am 5.12.22 zu seiner politischen Biographie in der Nazi-Szene in #Saarlouis äußern. Doch am Ende: Fehlanzeige. Keine Einlassung, keine Antworten.
Nur zur Tatnacht machte der Angeklagte am 4. Verhandlungstag – erwartbare – Angaben: Er habe am 18.09.91 abends mit Peter Strumpler (Führungsperson der inzwischen aufgelösten „Kameradschaft Saarlautern“) und einem weiteren Neonazi im „Bayrischen Hof“ getrunken.
Trotz widersprüchlicher Angaben zu einer Vernehmung von 1991 blieb S. dabei: er sei stark alkoholisiert gewesen, wisse aber genau, dass sie über #Hoyerswerda in der Kneipe nicht gesprochen hätten, auch nicht über Nachahmung von Angriffen gg. Geflüchtetenunterkünfte in #Saarlouis.
Nach dem Besuch des „Bayrischen Hof“ sei er gegen 1.30 Uhr nach Hause gegangen, so S. Er habe zum Tatzeitpunkt betrunken geschlafen und habe erst am Morgen vom Brand in #Saarlouis gehört.
Entgegen der Gedächtnisleistung, die Peter S. am 2. Prozesstag am OLG #Koblenz zu seiner Berufsbiographie an den Tag gelegt hat, gab er jetzt an, sich an wenig von damals zu erinnern. Verteidiger Britz nach der Pause: S. mache erstmal keine Angaben zu Einbindung in die Naziszene.
Der Senat des OLG #Koblenz zeigte stattdessen u.a. Fotos aus den Asservaten einer aktuellen Hausdurchsuchung: Peter S. in historischer Naziuniform, extrem rechte Memes vom Handy-Speicher. Außerdem Fotos einschlägiger Tätowierungen des Angeklagten.
Im Besitz des Angeklagten außerdem: Das Foto eines Transparents der Antifa Saar zum Gedenken anlässlich des 25. Jahrestages des Brandanschlages in #Saarlouis und des Mordes an Samuel Kofi Yeboah aus dem September 2016 (Kampagne #HassHatKonsequenzen).
Weitere Inaugenscheinnahmen am OLG #Koblenz am 4. Prozesstag: Fotos aus den 1990er Jahren (u.a. #Antifa-Veröffentlichungen) in der Ermittlungsakte. Darunter laut Ermittlern der junge Peter Schlappal am 17.08.1996 beim Hess-Marsch in #Worms. https://antifa-saar.org/2022/11/15/der-mord-an-samuel-yeboah-ueber-nazi-terror-und-das-versagen-der-behoerden-im-saarland-ein-ausfuehrlicher-beitrag/#more-4718
Beim Aufmarsch in #Worms, an dem S. Ermittlern zufolge teilnahm, nahm auch die „Kameradschaft Jena“ teil, die späteren #NSU-Kerntrio-Mitglieder Mundlos u. Zschäpe, die im NSU-Prozess verurteilten Wohlleben u. Gerlach sowie die Neonazis A. Kapke u. Brandt.
https://www.nsu-watch.info/2012/02/fotos-der-nsu-in-worms-1996/
In der kommenden Prozesswoche am OLG #Koblenz wird sich der Senat vermutlich außerdem dem Beweisantrag der Nebenklagevertreter*innen @RPietrzyk und @raahoff widmen – zur Geschichte der rassistischen und rechten Pogrome von #Hoyerswerda. Die Verhandlung ist öffentlich.
3. Prozesstag, 29.11.2022 NSU-Watch auf Twitter 
https://twitter.com/nsuwatch/status/1597655589899096064

Samuel Kofi Yeboah in der Zeit vor dem Anschlag vom 19.9.1991 - mit Bildern von ihm endete der 3. Prozesstag am OLG #Koblenz. Dort verhandelt der Staatsschutzsenat seit Mitte November zum rassistischen #Brandanschlag von #Saarlouis 1991. Thread zur Eröffnung der Beweisaufnahme.
Zu Beginn der Beweisaufnahme am OLG #Koblenz wandte sich der Senat heute dem Tod von Samuel Kofi Yeboah und den Todesursachen zu. Zur Verlesung kamen die Todesfeststellung der Polizei (Tod nach "Unfall"), Arzt- und Obduktionsbericht, Inaugenscheinnahme von Lichtbildern.
Als Zeuginnen hörte der Senat 2 Polizeibeamtinnen, die in der Nacht & am Morgen des rassistischen Brandanschlags von #Saarlouis 1991 im Einsatz waren. Beide waren damals noch in Ausbildung. 2 weitere Polizist*innen, die in der Tatnacht Dienst hatten, sind inzwischen verstorben.
Die Polizistin F. sagte am OLG #Koblenz spürbar bewegt aus: Sie habe am 19. September 1991 die Aufgabe gehabt, um 7 Uhr früh nach der Brandnacht zum Klinikum St. Elisabeth in #Saarlouis zu fahren. Der schwerst brandverletzte Samuel Kofi Yeboah lebe noch, hieß es.
Bei ihrem Eintreffen im Klinikum #Saarlouis erfuhr die Zeugin dann aber, dass Samuel Kofi Yeboah kurz zuvor an den massiven Brandverletzungen gestorben war. Die diensthabende Krankenschwester, die ihn noch hatte versorgen können, sei nicht vernehmungsfähig gewesen.
In Augenschein nahm der Senat am OLG #Koblenz heute auch Papiere zum Aufenthalt von Samuel Kofi Yeboah. Er war im September 1991 von Abschiebung bedroht.
Die Nebenklage-Vertreter*innen stellten einen Beweisantrag auf Sachverständigenanhörung zur Chronologie des rassistischen Pogroms von #Hoyerswerda 1991: Die Angriffe mit Brandsätzen begannen dort nicht erst am 20.09.1991, wie von der Verteidigung des Angeklagten behauptet.
Der Prozess zum rassistischen Brandanschlag von #Saarlouis wird am 5.12.2022 fortgesetzt, dann soll sich der Angeklagte weiter einlassen. Die Verhandlung am OLG #Koblenz ist öffentlich. Der Verhandlungstag beginnt voraussichtlich wieder um 9.30 Uhr. #AufklaerenUndEinmischen
2. Prozesstag, 28.11.2022 NSU-Watch auf Twitter 
https://twitter.com/nsuwatch/status/1597284314991177730

Ein Angeklagter, der sich an Details und Einzelheiten gut erinnern kann. - 2. Prozesstag am OLG #Koblenz zum Brandanschlag von #Saarlouis 1991, bei dem Samuel Kofi Yeboah ermordet wurde: Heute hörte der 4. Strafsenat die Einlassungen zur Person des Angeklagten. 
Die Kammer am OLG #Koblenz befragte am Vormittag den Angeklagten Peter Schlappal (heute Peter S.) sehr kleinteilig zu Kindheit, Familiengeschichte, Schule, Unterbringung als Jugendlicher, Ausbildung, Strafvollzugszeiten wg. Diebstahlsdelikten und Beruflichem.
Mit seinen Einlassungen zur Person korrigierte oder ergänzte der Angeklagte am OLG #Koblenz dabei wiederholt die Verfahrensakten auf Basis seiner detailreichen Erinnerungen - zum Teil bis auf den Tag genau. Ein Angeklagter mit klarem Gedächtnis.
Die Einlassung am OLG #Koblenz zeigt auch: Ins Persönliche gehören auch Kontakte zu Personen der #Saarland-Naziszene. Schlappal lernt u.a. Nazi-"Führungsfigur" Peter Strumpler 1990 in der #JVA Rottweil kennen. Der ist 2006 sein Hochzeitsfotograf, trotz kleiner, familiärer Feier.
Auf Fragen der Nebenklage zu seinem Freizeitverhalten antwortet der Angeklagte im OLG-#Koblenz-Prozess zum rassistischen Brandanschlag von #Saarlouis 1991: zu Konzerten sei er auch mal "in den Osten" gereist, nach #Jena zum Beispiel.
Auf Frage der Nebenklage: "Weil es so gut gepasst" hätte, habe er sich "2011/2012" ein Tattoo stechen lassen: Paulchen Panther. Das Motiv hätte in eine Lücke gepasst. Paulchen Panther ist der "Erzähler" im Video des #NSU, mit dem sich dieser im November 2011 selbst enttarnte.
Der 2. Prozesstag am OLG #Koblenz zeigte: 1. Die Erinnerungen des Angeklagten sind detailstark. 2. Seine Verbindung zu wichtigen Personen der Neonaziszene des Saarlands: langjährig und persönlich.
Zur Sache will sich der Angeklagte am OLG #Koblenz wohl am 5.12.22 äußern. Morgen (29.11.22) wird die Strafkammer zunächst die Beweisaufnahme eröffnen, konkret: zum Todesermittlungsverfahren zum Brandanschlag #Saarlouis 1991. Unser Bericht zum Tag folgt.
1. Prozesstag, 16.11.2022 NSU-Watch auf Twitter 
https://twitter.com/nsuwatch/status/1592878118586703873

Bereits in seiner Pressemitteilung vom 16. September 2022 kündigte das OLG Koblenz bis zum Jahresende neun Hauptverhandlungstermine an. Mit vielen weiteren Prozessterminen ist zu rechnen. Die Strafkammer wird sehr gründlich arbeiten müssen, insbesondere nach so vielen Jahren, die seit dem Brandanschlag vergangen sind. Der erste Prozesstag, den der Vorsitzende Richter am OLG, Dr. Konrad Leitges, am 16. November 2022 beinahe pünktlich um 9:40 Uhr eröffnete, war allerdings denkbar kurz. Nur 30 Minuten sollten der Kammer an diesem Morgen bereits genügen, um ihr Programm für den ersten Hauptverhandlungstag abzuschließen. Der GBA, vertreten durch Dr. Malte Merz und Sophie Gößl, verlas die Anklageschrift. Auf sie reagierte die Verteidigung (die Rechtsanwälte Guido Britz und Kai-Daniel Weil) mit einer ersten Stellungnahme und kündigte an, dass sich der Angeklagte vor Gericht einlassen werde. Um 10:10 Uhr beendete Leitges die Sitzung.
So kurz der Prozesstag auch war, hinterlässt er doch den Eindruck, dass nicht nur die Erhebung der Indizienbeweise sondern auch die Beweisbewertung durchaus kompliziert werden könnten. In der von Sophie Gößl verlesenen Anklageschrift betonen die Sitzungsvertreter*innen des Generalbundesanwalts, dass die Mordmerkmale der „niedrigen Beweggründe“ im Sinne eines Rechtsbegriffs entscheidend seien: Sie gehen davon aus, dass Peter S. den Brandanschlag aus „rechtsextremistischer“ und „rassistischer Gesinnung“ begangen habe. Die „Pogromstimmung“ rechter und rassistischer Gewalt der frühen 1990er Jahre, konkret: die rassistischen Angriffe auf ein Wohnheim für Vertragsarbeiter*innen und eine Unterkunft für Geflüchtete in Hoyerswerda (17. bis 23. September 1991) hätten einen großen Einfluss auf die Tatausübung gehabt. Der Brandanschlag sei entsprechend als ideologisch motivierte Mordtat zu werten. Nicht zuletzt habe sich der Tatverdächtige noch am Tatabend gegenüber „Gesinnungsgenossen“ entsprechend geäußert, so die Generalbundesanwaltschaft, die Peter S. als Alleintäter angeklagt hat.
In ihrer Stellungnahme griff die Verteidigung diese Einordnung der Ankläger*innen an. Verteidiger Guido Britz formulierte, dass die Anklageschrift nach seiner Rechtsauffassung die „funktionalen Grenzen“ einer ständigen Rechtssprechung verlasse. Die Anklageschrift fuße aus seiner Sicht auf einem „unzulässigen Gesinnungsstrafrecht“, das Beweise für eine Tatbeteiligung seines Mandanten suche, und zwar so, dass sie zu einer bestimmten, von der GBA angenommenen Motivlage passten. Unstrittig sei für ihn, so Britz, dass Peter Schlappal seinerzeit extrem rechter Gesinnung gewesen sei. Seit langem habe sein Mandant sich allerdings distanziert.