Ach ja, die schon wieder…

Die Bur­schen­schaft Ghi­bel­li­nia fällt mal wie­der durch ihre Affi­ni­tät zur extre­men Rech­ten auf. Mit Josias Schmidt, der bei ihnen als Keil­gast gela­den ist, wer­ben sie aktiv um ein Mit­glied der Saar­län­di­schen Nazi­szene.

Die Ghi­bel­li­nen oder hoch­of­fi­zi­ell die „Bur­schen­schaft Ghi­bel­li­nia zu Prag in Saar­brü­cken“ ist schon ein selt­sa­mer Hau­fen. Von ferne betrach­tet ein stu­den­ti­scher Ver­ein, der sich der Pflege bizar­rer Rit­uale, dem Tra­gen alber­ner Kos­tüme ver­schrie­ben hat und des­sen Mit­glie­der halb­tags dem Bier trin­ken und dem “Deutsch­sein” nach­ge­hen. So weit so trau­rig und eigent­lich nicht der Rede wert, wären da nicht die stän­di­gen ras­sis­ti­schen, sexis­ti­schen und natio­nal­chau­vi­nis­ti­schen Aus­fälle ihrer Mit­glie­der und gäbe es nicht Über­schnei­dun­gen mit der offen auf­tre­ten­den Naziszene.

 

Aktu­ells­tes Bei­spiel: Seit Beginn des Win­ter­se­mes­ters 2012/13 bewegt sich Josias Schmidt aus Neun­kir­chen im Umfeld der Ghi­bel­li­nia. Schmidt, der im ers­ten Semes­ter Jura an der Uni­ver­si­tät des Saar­lan­des stu­diert, ist Teil ein­er grö­ße­ren Nazi­cli­que aus Fried­richts­thal und Umge­bung (siehe Fotos am Ende des Bei­trags). Dies scheint die Har­mo­nie zwi­schen ihm und der Ghi­bel­li­nia aber nicht zu stö­ren, so war Schmidt „Keil­gast“ (d.h. Gast, der für die Bur­schen gewor­ben wer­den soll) auf dem Wald­fest der Ghi­bel­li­nia (siehe Foto wei­ter unten) und wurde/wird zu den Par­tys der Ghi­bel­li­nia ein­ge­la­den (Bsp.: „Semes­ter­an­tritts­kneipe WS 12/13“ im Haus der Bur­schen­schaft am 13.10.12; „Las Vegas Par­ty“ im Haus der Bur­schen­schaft am 17.11.12).
Es ist nicht wei­ter ver­wun­der­lich, dass eine For­mie­rung wie die Ghi­bel­li­nia sol­che Gestal­ten anzieht. Schon mehr­fach ist die Ghi­bel­li­nia durch das Ver­hal­ten ihrer Mit­glie­der aufge­fall­en:

- Aus ihrer Selbst­dar­stel­lung kann man erfah­ren, dass sie schon 1887 ihre letz­ten jüdi­schen Mit­glie­der aus­ge­schlos­sen haben und dass der Über­fall der Wehr­macht auf die Tsche­cho­slo­wa­kei „die Deut­schen (in Prag) von ein­er unge­heue­ren Bedrü­ckung“ „befre­ite“. Über ihr Mit­glied Hugo Jury, wel­cher sich bei Kriegs­ende sei­ner Ver­haf­tung und Ver­ur­tei­lung durch Selbst­mord ent­zog, wird hin­ge­gen nur etwas ver­druckst berich­tet, dass die­ser „gro­ßen poli­ti­schen Ein­fluss gew[ann]“, (1) wobei kaschiert wird, dass er die­sen Ein­fluss als NSDAP-Größe und Kriegs­ver­bre­cher erlangte.

- Auf Ein­la­dung der Ghi­bel­li­nia spra­chen mehr­fach extrem rechte Refe­ren­ten wie Rein­hard Gün­zel (ehe­ma­li­ger Bri­ga­de­ge­ne­ral, der wegen anti­se­mi­ti­scher Tira­den aus der Bun­des­wehr ent­las­sen wurde) oder etwa Rolf Schlie­rer (Bun­des­vor­sit­zen­der der REP’s). (2)

- Aus einem inter­nen Pro­to­koll der Ghi­bel­li­nia von 2011 kon­nte man ent­neh­men, dass sie zum „Pogrom“ auf­ru­fen, „Neger lyn­chen“ wol­len, eine Ent­schul­di­gung vom Jüdi­schen Welt­kon­gress for­dern oder vom her­bei­bom­ben der Abspal­tung Süd­ti­rols von Ita­lien träu­men (natür­lich alles nur Spaß). (3)

- Im Nach­gang ein­er 2009 im Corp­shaus des „Corps Fran­ko­nia Prag zu Saar­brü­cken“ began­ge­nen Ver­ge­wal­ti­gung an ein­er Stu­den­tin, für die zwei Corps­mit­glie­der 2011 zu mehr­jäh­ri­gen Haft­stra­fen ver­ur­teilt wur­den, (4,5) kam wie­derum eine ganze Rei­he Inter­nas aus dem Innen­le­ben die­ser wider­li­chen Ver­eine ans Licht. Bei­spiels­weise, dass es auch einen sexu­el­len Über­griff eines Ghi­bel­li­nen auf eine Frau am Rande ein­er Ver­an­stal­tung der Ger­ma­nia gege­ben hat, wel­cher dann mit Alko­hol­ver­bot und einem kurz­zei­ti­gen Kos­tüm­tra­ge­ver­bot sank­tio­niert wurde. Dass es hier­bei nicht um die Sank­tio­nie­rung der Tat oder die Reflek­tion der Ereig­nisse, son­dern pri­mär um die Ver­tu­schung der Über­griffe ging, lässt sich gut anhand ein­er Mail der Fran­ko­nia an die Ghi­bel­li­nia zei­gen. In die­ser beschwe­ren sich diese, dass Domi­ni­que Rossi von der Ghi­bel­li­nia Witze über die Ver­ge­wal­ti­gung macht, was für sie ein Pro­blem dar­stellt, denn „Wenn sich die Ereig­nisse, wel­che vor zwei Jah­ren auf unserm Corp­shaus pas­sier­ten, unter den jun­gen Stu­den­ten her­um­spre­chen, kön­nen wir zu sper­ren. Es wäre der Unter­gang unse­res Corps und wir müss­ten sus­pen­die­ren.“ (6)

- Dominique-Chris­t­ian Rossi, wel­cher mitt­ler­weile zu den „Alten Her­ren“ der Ghi­bel­li­nia gehört, hat nach eige­nen Anga­ben auch schon für die rechte Wochen­zei­tung „Junge Frei­heit“ geschrieben.6 Zusam­men mit dem spä­te­ren „Lan­des­ju­gend­spre­cher“ der saar­län­di­schen NPD Tim Stahn und Gün­ther Gabriel, der spä­ter in den Vor­stand der NPD wech­selte, war er 1998–99 in Vor­stands­äm­tern des „Bun­des Freier Bür­ger“ einem Pro­jekt der sog. „Neuen Rech­ten“ orga­ni­siert. (7)

- Da fällt es schon fast nicht mehr ins Gewicht, wenn die vor­mals von Roland The­is, dem CDU-Gen­er­alsekretär im Saar­land, als “hono­rige Män­ner” bezeich­ne­ten Ghi­bel­li­nen von ihren eige­nen Mit­glie­dern instru­iert wer­den müs­sen gefäl­ligst die Füße still zu hal­ten, wenn es sich schon nicht ver­mei­den lässt, dass bedau­er­li­cher­weise eine Tür­kin anwe­send ist: „Ach klei­ner Hin­weis. Mor­gen kommt auch ein alter Mer­zi­ger Fre­und von mir. Mit sei­ner tür­ki­schen Lebens­ge­fähr­tin:-= Könn­test Du die Jungs um Con­tennance bit­ten:-))“ (6)

So zeigt sich wie­der und wie­der, dass sich die Ghi­bel­li­nia trotz gegen­tei­li­ger Bekun­dun­gen nach wie vor am rech­ten Rand bewegt und neben ein­er ideo­lo­gi­schen auch eine per­so­nelle Nähe zur Nazi­szene hat.

Antifa Saar / Pro­jekt AK im Novem­ber 2012

Josias Schmidt beim „Wald­fest“ der Bur­schen­schaft Ghi­bel­li­nia:

(v.l.n.r.): Prof. Dr. Rein­hard Latza (Geschäfts­füh­rer der „Medi­zi­ni­sches Ver­sor­gungs­zen­trum Labor Saar GmbH“), Unbe­kannt, Josias Schmidt, Timm Bren­ner (Fecht­wart der Ghi­bel­li­nia), Mat­thias Immes­ber­ger, Unbe­kannt, Kevin Wal­lus (Schrift­wart der Ghi­bel­li­nia) und Felix Wey­er (Spre­cher der Ghi­bellinia).

Josias Schmidt am 14.03.2009 auf einem Nazi­auf­marsch des „Natio­na­len Wider­stands Zwei­brü­cken“ anläss­lich der Bom­bar­die­rung Zwei­brü­ckens im Zwei­ten Welt­krieg:


Josias Schmidt und David „Dave“ Schulz auf ein­er Nazi­party in Tier­bach­tal:


David Schulz sitzt im Moment in Stutt­gart in Unter­su­chungs­haft. Ihm wird vor­ge­wor­fen, am Rande ein­er Nazi­party die 2011 im baden-würthem­ber­gis­chen Win­ter­bach statt­ge­fun­den hat, zusam­men mit ande­ren Nazis an der ver­such­ten Ver­bren­nung von fünf Men­schen betei­ligt gewe­sen zu sein.(8)

Fuß­no­ten:
(1): http://antifa-saar.org/images/Paulmann_Geschichte.pdf
(2): http://www.dielinke-saar.de/fileadmin/Pdf-Dateien/Burschenschaft.pdf
(3): http://www.fr-online.de/die-neue-rechte/nach-enthuellung-fdp-distanziert-sich-von-burschenschaft,10834438,10897724.html
(4): “Nach Auf­fas­sung des Ober­staats­an­wal­tes sei erwie­sen, dass die bei­den eine 25-jährige Bekan­nte nach einem Besuch in der Saar­brü­cker Disko Kufa im Wohn­heim ein­er stu­den­ti­schen Ver­bin­dung ver­ge­wal­tigt haben. Ob K.O.-Tropfen im Spiel waren, war nicht zu bewei­sen. Die Frau fand sich nach der durch­fei­er­ten Nacht in ein­er Blut­la­che. Eine Freun­din brachte sie in ein Kran­ken­haus.” — Wegen Ver­ge­wal­ti­gung sol­len zwei 27-Jährige lange ins Gefäng­nis — Saar­brü­cker Zei­tung vom 17.02.2011
(5): Haft­stra­fen wegen Ver­ge­wal­ti­gung ein­er 25-Jähri­gen im Wohn­heim — Saar­brü­cker Zei­tung vom 23.02.2011
(6): https://linksunten.indymedia.org/de/node/54552
(7): Anga­ben des Bun­des­wahl­lei­ter 30.04.1999
(8): „Im April 2011 hat­ten einige Fre­unde, deren Fami­lien tür­ki­scher und ita­lie­ni­scher Her­kunft sind, auf einem Gar­ten­grund­stück gegrillt. Gleich­zei­tig waren auf ein­er benach­bar­ten Streu­obst­wiese 70 Ange­hö­rige der rechts­ex­tre­men Szene zu ein­er Geburts­tags­feier zusam­men­ge­kom­men. In der Nacht rie­fen einige zur Hetz­jagd auf die »Kana­ken« auf. Die Ange­grif­fe­nen wur­den geschla­gen und getre­ten, man­che stürz­ten beim Ver­such zu ent­kom­men und erlit­ten schwere Ver­let­zun­gen. Fünf der Gejag­ten ver­schanz­ten sich vor­über­ge­hend in ein­er Holz­hütte des Gar­ten­grund­stücks, die jedoch von den Rechts­ex­tre­men bere­its in Brand gesteckt wurde. Auf­zeich­nun­gen des Not­rufs doku­men­tier­ten vor Gericht die Todes­angst der Ein­ge­schlos­se­nen, die erst im letz­ten Moment die Flucht wag­ten und sich aus der ­nie­der­bren­nen­den Hütte ret­te­ten.“ — Brand­stif­ter als Bie­der­män­ner — Jun­gle World vom 15.11.2012

Frankfurter Rundschau: “Nach Enthüllung: FDP distanziert sich von Burschenschaft”

Frank­furter Rund­schau vom 26. Sep­tem­ber 2011

Nach Enthül­lung: FDP dis­tanziert sich von Burschen­schaft

Von Felix Hel­big

 

Der Alther­ren­vor­stand der Saar­brück­er Ghi­bellinia hat nach den Enthül­lun­gen der Frank­furter Rund­schau über ras­sis­tis­ches Gedankengut in der Burschen­schaft seinen Rück­tritt ein­gere­icht. CDU und FDP dis­tanzieren sich nun deut­lich von der Verbindung.

 

Die Enthül­lun­gen über ras­sis­tis­ches Gedankengut in der Saar­brück­er Burschen­schaft Ghi­bellinia schla­gen weit­er hohe Wellen. Neben der Saar-CDU dis­tanziert sich auch die FDP deut­lich von der schla­gen­den Verbindung. „Die Lib­eralen pfle­gen in kein­er Weise eine beson­dere Nähe zur Ghi­bellinia“, sagte der stel­lvertre­tende FDP-Lan­deschef Sebas­t­ian Greiber der Frank­furter Rund­schau. Zwar habe er im ver­gan­genen Jahr auf ein­er Festver­anstal­tung zum 130-jähri­gen Beste­hen der Burschen­schaft ein Gruß­wort gehal­ten. „Der Satz ‘Die Flamme der Burschen­schaft möge in unserem wun­der­schö­nen Saar­land ewig bren­nen’ ist dort aber nie gefall­en“, sagte Greiber. Vielmehr habe er die ver­sam­melten Burschen mit einem Zitat des franzö­sis­chen Sozial­is­ten Jean Jau­rés dazu aufgerufen, ihre Tra­di­tion „nicht nur rück­wärts gewandt zu ver­ste­hen, son­dern im Heute zu leben.“

 Vor der Zer­reißprobe

Hin­ter­grund ist ein internes Papi­er der Burschen, das die Frank­furter Rund­schau und die Berlin­er Zeitung veröf­fentlicht hat­te. Darin bericht­en die Ghi­bellinia-Aktiv­en über ver­meintliche Pogrome, bei denen sie „Neger gelyncht“ hät­ten, und laden zur „Neger­jagd“ in Afri­ka ein. Bei Ver­anstal­tun­gen der Burschen­schaft waren in der Ver­gan­gen­heit wieder­holt Spitzen­poli­tik­er von der Saar aufge­treten. „Von solchen Ein­las­sun­gen kann man sich gar nicht genug dis­tanzieren“, sagte Greiber. Bei seinem Auftritt habe es aber kein­er­lei Anze­ichen für entsprechen­des Gedankengut in der Ghi­bellinia gegeben. Vielmehr seien dort zahlre­iche hon­orige Per­sön­lichkeit­en aufge­treten. „Wenn das Papi­er den Tat­sachen entspricht, werde ich dort bes­timmt nicht mehr auftreten“, so Greiber. Ähn­lich hat­te sich auch der CDU Gen­er­alsekretär Roland The­is geäußert, der von „abstoßen­dem und wider­lichem Gedankengut“ sprach.

Vor ein­er Zer­reißprobe ste­ht nach den Enthül­lun­gen indessen die Burschen­schaft. Wie die FR erfuhr, hat der Alther­ren­vor­stand der Ghi­bellinia seinen Rück­tritt ein­gere­icht, er äußerte sich dem­nach „entset­zt“ und „zutief­st ent­täuscht“ über die „unsäglichen“ Ein­las­sun­gen der jün­geren Aktiv­en. Gegen den Ver­fass­er des Papiers, das als Pro­tokoll eines Gen­er­al­con­vents der Burschen­schaft ver­schickt wor­den war, müsse vorge­gan­gen werden.Bei den Aktiv­en sieht man die Veröf­fentlichung des Papiers der­weil als Super­gau. Die Ver­bre­itung könne den Fortbe­stand der Ghi­bellinia „ern­sthaft in Gefahr“ brin­gen. Gle­ichzeit­ig heißt es intern weit­er, die Mehrheit der Aktiv­en würde das Pro­tokoll als witzig anse­hen. Es gebe keinen Grund, gegen den Ver­fass­er vorzuge­hen.

 

http://www.fr-online.de/die-neue-rechte/nach-enthuellung-fdp-distanziert-sich-von-burschenschaft,10834438,10897724.html

Frankfurter Rundschau: “Eine Burschenschaft und ihre Spitzenpolitiker”

Frank­furter Rund­schau vom 22. Sep­tem­ber 2011

Am recht­en Rand

Eine Burschen­schaft und ihre Spitzen­poli­tik­er

Von Felix Hel­big

 

Unser­er Redak­tion wur­den Doku­mente zuge­spielt, mit denen die Burschen­schaft Ghi­bellinia in ein recht­sex­tremes Licht gestellt wird. Das Pikante: Hohe saar­ländis­che Volksvertreter pfle­gen regen Kon­takt.

 

Die alten Her­ren mit den Mützen waren bester Laune. Ihre Burschen­schaft, die stolze Ghi­bellinia zu Prag, hat­te ein Jubiläum zu feiern an diesem Abend im Mai 2010 im Saar­brück­er Schloss, der Saal war geschmückt, die Gästeliste kon­nte sich sehen lassen. Volk­er Lin­newe­ber, der Präsi­dent der Uni­ver­sität des Saar­lan­des, hielt die Fes­tansprache, der Gen­er­alsekretär der Saar-CDU, Roland The­is, über­mit­telte ein Gruß­wort des Min­is­ter­präsi­den­ten, er dank­te der Ghi­bellinia „ganz her­zlich“ für „ihr Engage­ment zur Wahrung gesellschaftlich­er, demokratis­ch­er und frei­heitlich­er Werte“. Und Sebas­t­ian Greiber, der Vize-Lan­deschef der FDP, ermunterte die Burschen zu mehr Engage­ment und rief: „Die Flamme der Burschen­schaft möge in unserem wun­der­schö­nen Saar­land ewig bren­nen.“ Begeis­tert applaudierten die alten Her­ren den Män­nern ohne Mützen, die ihnen der­art gewogen waren. Als das Fest sich dem Ende zuneigte, erk­lang im Saal das völkische Heimatlied „Deutsch ist die Saar“.

Keine harm­lose Stu­den­ten­verbindung

In Saar­brück­en haben diese Auftritte im Früh­jahr für einige Aufre­gung gesorgt. Nach ein­er Buchveröf­fentlichung, die ihre Reden bei der Ghi­bellinia doku­men­tierte, war­fen sich Spitzen­poli­tik­er im Saar­land gegen­seit­ig Kon­tak­te zu dieser Burschen­schaft vor, die schon länger im Ver­dacht ste­ht, weit am recht­en Rand zu ste­hen. Das Ganze habe sich dann aber „schnell versendet“, sagt CDU-Gen­er­alsekretär The­is der Frank­furter Rund­schau und der Berlin­er Zeitung. Es habe ja jed­er mit anderen promi­nen­ten Red­nern bei der Ghi­bellinia argu­men­tieren kön­nen. Mit dem früheren SPD-Min­is­ter­präsi­den­ten Rein­hard Klimmt etwa. Mit dem Vor­sitzen­den der Syn­a­gogenge­meinde Saar, Richard Bermann. Mit dem Uni­ver­sität­spräsi­den­ten Lin­newe­ber. Und mit großen Namen aus CDU und FDP, zum Beispiel Rain­er Brüder­le.

Auch die Ghi­bellinia nan­nte stets sie als Aushängeschilder und Ausweis ihrer Unver­fänglichkeit, die Burschen nen­nen sich „demokratisch“ und „über­parteilich“. So sahen das auch CDU und FDP in der mit den Grü­nen regieren­den Jamai­ka-Koali­tion. Es ist nur schlicht nicht richtig.

Doku­mente, die uns zuge­spielt wur­den, zeigen, dass die Ghi­bellinia vieles zu sein scheint, aber keine harm­lose Stu­den­ten­verbindung. Die 1880 in Prag gegrün­dete Burschen­schaft ist schon wegen ihrer His­to­rie belastet, unter den frühen Mit­gliedern find­en sich stramme Nazis, ihr Grün­der Karl Her­mann Wolf war Anti­semit. Und die heute Aktiv­en ste­hen ihren Vor­bildern wenig nach. So zeigt das Pro­tokoll eines Gen­er­al­con­vents der Verbindung im Jan­u­ar dieses Jahres, wie es wirk­lich bestellt ist um das Welt­bild der Bun­des­brüder.

Zusam­me­nar­beit mit der FDP

Dem­nach schwadronieren die Burschen in trauter Runde, sie hät­ten einen Brief des jüdis­chen Weltkon­gress­es bekom­men, in dem dieser sich entschuldige, „unseren AH Jury in der Ver­gan­gen­heit geschmäht zu haben“. Der „Alte Herr“ Hugo Jury begann einst als Ghi­belline, nach sein­er Kar­riere in der NSDAP wurde er 1942 SS-Ober­grup­pen­führer. Laut Pro­tokoll erwä­gen die Burschen, einen Film mit dem Titel „Jurys Liste“ zu drehen und neue Aufla­gen eines Buch­es zu druck­en, mit dem anscheinend Adolf Hitlers „Mein Kampf“ gemeint ist.

So geht das weit­er. „Es fol­gt ein kleines Progrom“, ste­ht auf der zweit­en Seite des Pro­tokolls in man­gel­hafter Rechtschrei­bung. Beschrieben wird ein offen­bar fik­tives Pogrom der Burschen, bei dem „zur Feier des Tages vier Neger gelyncht“ wer­den, „die man vorher weiß getüncht“ habe. Unter „Ver­anstal­tun­gen für das näch­ste Semes­ter“ find­en sich schließlich eine „Aktiven­fahrt nach Namib­ia zur Neger­jagd“ und „zwei wöchentliche Progrome“. Die Burschen­schaft selb­st stellt das Schrift­stück, ver­fasst und ver­schickt von einem ihrer Aktiv­en, später intern als „Satire­pro­tokoll“ dar. Auf Anfra­gen der Frank­furter Rund­schau reagiert sie nicht.

Uni­ver­sität­spräsi­dent Volk­er Lin­newe­ber spricht von „ser­iösen Leuten“ aus dem Saar­land, die immer wieder zu ihm kämen, von Anwäl­ten und Ärzten, die dann in seinem Büro säßen und ihn ein­laden wür­den zu Ver­anstal­tun­gen der Ghi­bellinia. So sei das eben „in einem kleinen Land“. Mit dem Pro­tokoll kon­fron­tiert, sagt Lin­newe­ber, „muss ich natür­lich sagen, dass ich erhe­blich schär­fer hätte recher­chieren müssen“. Die Burschen ver­hiel­ten sich an der Hochschule aber „völ­lig unschein­bar“.

Roland The­is sieht das ähn­lich. Der CDU-Gen­er­alsekretär hat­te sich bis­lang gegen alle ver­wahrt, die „die Ghi­bellinia unter Extrem­is­musver­dacht stellen“, und die Burschen „hon­orige Män­ner“ genan­nt. Nach Ansicht des Pro­tokolls spricht er von „abstoßen­dem und wider­lichem Gedankengut“, das er „mit Abscheu“ zurück­weise. Hat­te die CDU die Burschen bis­lang auch mit Spenden unter­stützt, komme er nun „zu einem anderen Ergeb­nis“, er sei „erschrock­en und über­rascht“.*

Dabei hätte nicht nur The­is schon viel früher erschrock­en und über­rascht sein kön­nen. Im Verbindung­shaus der Ghi­bellinia am Saar­brück­er Schmit­ten­berg hän­gen Alte Her­ren in ein­er Ahnen­ga­lerie, von denen intern selb­st Ghi­belli­nen zu bedenken geben, dass sie aus der Sicht von „Empörten und Aufgeregten“ als prob­lema­tisch betra­chtet wer­den kön­nten – da sie „nachgewiesen­er Maßen nicht ger­ade Fre­unde des jüdis­chen Volkes“ waren.

Und auch die Gas­tred­ner der Ghi­bellinia tau­gen keineswegs immer als Aushängeschilder: Unter ihnen find­en sich Markus Beisicht, Mit­grün­der der vom Ver­fas­sungss­chutz als recht­sex­trem eingestuften Bürg­er­be­we­gung Pro Köln, der Repub­likan­er-Vor­sitzende Rolf Schlier­er und der frühere Brigade­gen­er­al Rein­hard Günzel, der dem Kom­man­do Spezialkräfte in Afghanistan als Kom­man­deur diente. Günzel wurde 2003 in Ruh­e­s­tand ver­set­zt, weil er dem wegen ein­er anti­semi­tis­chen Rede aus der CDU aus­geschlosse­nen Bun­destagsab­ge­ord­neten Mar­tin Hohmann einen Sol­i­dar­itäts­brief geschrieben hat­te.

Richard Bermann sagt, man hätte eigentlich „nur mal im Inter­net nach­schauen“ müssen, um zu wis­sen, wes Geistes Kind die Burschen sind. Der Vor­sitzende der Syn­a­gogenge­meinde hat das selb­st ver­säumt, er sei damals „vol­lkom­men blauäugig“ als Gas­tred­ner bei der Ghi­bellinia aufge­treten, erst anschließend habe er nachge­forscht und sei „erschrock­en, was da zu Tage kam“. Als einziger dis­tanzierte er sich umge­hend von seinem Auftritt, den er heute einen „großen Fehler“ nen­nt.

Nicht genau genug nachge­forscht”

Roland The­is sagt, man habe da vielle­icht „nicht genau genug nachge­forscht“, ehe er Gruß­worte des dama­li­gen Min­is­ter­präsi­den­ten Peter Müller, der in diesem Herb­st immer­hin Ver­fas­sungsrichter wer­den will, über­mit­telte. Seine Koali­tion­spart­ner von der FDP im Saar­brück­er Land­tag sagen – nichts. Das hat Gründe: Wohl keine andere Partei im Saar­land pflegt so enge Kon­tak­te zur Burschen­schaft wie die Lib­eralen. Nicht nur haben ihre Spitzen­vertreter wie der stel­lvertre­tende Min­is­ter­präsi­dent Christoph Hart­mann der Ghi­bellinia immer wieder die Aufwartung gemacht und dabei schon mal die „inte­gra­tive Arbeit“ der Burschen­schaft gelobt, auch umgekehrt funk­tion­iert das Ver­hält­nis. So ist ein führen­der Ghi­belline auch Mit­glied im FDP-Kreisver­band Saar­brück­en. Gle­ichzeit­ig arbeit­et er für den Konz­ern des Kreisvor­sitzen­den Hart­mut Oster­mann, der mit seinen Senioren­res­i­den­zen und vielfälti­gen Kon­tak­ten als „Pate von der Saar“ gilt.

Richard Bermann nen­nt den FDP-Mann „die graue Emi­nenz“, er ken­nt die Ver­hält­nisse an der Saar, er hat sich inten­siv damit beschäftigt. Manche Partei, sagt er, habe dort eine beson­dere Geschichte. Und wolle sich offen­bar nicht damit auseinan­der­set­zen. Die FDP jeden­falls reagiert trotz mehrfach­er Ver­suche nicht auf Anfra­gen. E-Mails und Anrufe zum The­ma Ghi­bellinia bleiben unbeant­wortet.

Uni­ver­sität­spräsi­dent Lin­newe­ber hat ger­ade erst erneut eine Ein­ladung der Ghi­bellinia erhal­ten. Er habe sie abgelehnt, sagt er.

 

 

Kon­ser­v­a­tiv bis rechts:

Die Deutsche Burschen­schaft umfasst 120 Mit­glieds­bünde mit etwa 1300 stu­den­tis­chen Aktiv­en und mehr als 10.000 soge­nan­nten Alten Her­ren. Die poli­tis­che Hal­tung reicht von kon­ser­v­a­tiv bis rechts, allerd­ings gibt es auch sozialdemokratis­che Burschen­schaften.

 Seit Früh­jahr 2011 tobt ein Stre­it um die Aus­rich­tung im Dachver­band, aus­gelöst durch Anträge auf dem — jährlich stat­tfind­en­den Burschen­tag. Darin ging es um einen “Ari­er­nach­weis”, mit dem eine Burschen­schaft aus­ländis­che Mit­glieder auss­chließen wollte.

 Ein weit­er­er Ver­bund der Burschen ist die am äußer­sten recht­en poli­tis­chen Rand zu veror­tende Burschen­schaftliche Gemein­schaft. So gilt etwa in der SPD eine Unvere­in­barkeit ihrer Verbindun­gen mit dieser Vere­ini­gung.

 

*Aktu­al­isierung am Mon­tag, 26.09.2011: Ent­ge­gen ihren früheren Aus­sagen weist die CDU Saar­land darauf hin, die Ghi­bellinia mit Spenden nicht unter­stützt zu haben.

http://www.fr-online.de/die-neue-rechte/am-rechten-rand-eine-burschenschaft-und-ihre-spitzenpolitiker,10834438,10887356.html

 

Reaktionen auf unser Flugblatt „In mörderischer Tradtion“

Reak­tio­nen auf unser Flug­blatt:

Nach­dem mehrere tausend Exem­plare unseres Flug­blatts „In mörderisch­er Tra­di­tion“ über die Burschen­schaft Ghi­bellinia zu Prag an zahlre­ichen Orten verteilt wur­den, kamen nach und nach erste Reak­tio­nen von unter­schiedlich­ster Seite. Neben viel pos­i­tivem Feed­back woll­ten es sich auch einige der schla­gen­den Burschen nicht nehmen lassen, auf teils äußerst pein­liche Art und Weise zu reagieren:

Bei ein­er Verteilak­tion am 17. April vor der Saar­brück­er Men­sa stürmte der Saar­brück­er Ghi­belline Chris­t­ian Wirth mit hochrotem Kopf auf die verteilen­den Antifaschis­ten zu, ver­suchte ihnen die Flug­blät­ter zu entreißen, schub­ste einige Per­so­n­en und schrie „Ich lasse mich von denen nicht dauernd als Faschist beze­ich­nen!“. Ein Ver­hal­ten das eigentlich so gar nicht zu dem Bild passt, dass die Saar­brück­er Ghi­belli­nen gerne von sich in der Öffentlichkeit zeich­nen, ger­ade seit in den let­zten Monat­en immer wieder Vor­würfe gegen sie erhoben wur­den. Dass es sich bei der Burschen­schaft eben nicht um „unbescholtene Akademik­er-Vere­ini­gung“ han­delt, kon­nten dementsprechend auch mehrere hun­dert Per­so­n­en zur Mit­tagszeit vor der Men­sa beobacht­en.
Schützen­hil­fe bekam der schla­gende Bursche von einem Ex-Ger­ma­nen, der sich nicht ent­blödete ein Mit­glied der Ger­ma­nia als jüdis­chen Kro­nzeu­gen her­anzuziehen.
Zuvor erhiel­ten zwei Antifaschis­ten bere­its Hausver­bot durch die Ghi­belli­nen, als sie in der Nach­barschaft des Burschen­schaftlichen Haus­es Am Schmit­ten­berg in Schei­dt Flug­blät­ter verteil­ten und Anwohner_innen über ihre Nach­barn aufk­lärten. Anschließend set­zten mehrere der Burschen den bei­den Verteilen­den zu Fuß und mit dem Auto nach und ver­fol­gten sie während ihrer weit­eren Verteilak­tion.

Saar­ländis­che Antifaschist_innen fuhren bis nach Prag, dem Grün­dung­sort der Ghi­belli­nen, um dort Tourist_innen und Ein­heimis­che über die Deutschna­tionalen Burschen zu informieren. Unser Foto zeigt einen Genossen beim Verteilen des Flug­blatts vor der Prager Burg.

In mörderischer Tradition – Info-Flugschrift zur „Burschenschaft Ghibellinia zu Prag“ erschienen

Antifa Saar / Pro­jekt AK fordert Kon­se­quen­zen an der Uni­ver­sität des Saar­lan­des

Die Antifa Saar / Pro­jekt AK hat ein vier­seit­iges Infor­ma­tions-Flug­blatt zu der Saar­brück­er „Burschen­schaft Ghi­bellinia zu Prag“ erstellt und mehrere tausend Exem­plare an der Uni­ver­sität, in Schei­dt und in Saar­brück­en verteilt. Auf­grund der Geschichte der Burschen­schaft, ihrer Rolle im Nation­al­sozial­is­mus und ihrer Ver­strick­un­gen ins extrem rechte Milieu fordert die Antifa Saar die Uni­ver­sität und ins­beson­dere den Uni­ver­sität­spräsi­den­ten Prof. Dr. Volk­er Lin­newe­ber auf, Kon­se­quen­zen zu ziehen und ihre Poli­tik gegenüber den Saar­brück­er Burschen­schaften radikal zu ändern.

Im Fol­gen­den find­et sich die Info-Flugschrift im Wort­laut sowie als Pdf-Datei im Druck­lay­out. Außer­dem doku­men­tieren wir die von Lutz Paul­mann ver­fasste “Geschichte der Burschen­schaft Ghi­bellinia zu Prag in Saar­brück­en”, die zwis­chen­zeitlich von den Inter­net­seit­en der Burschen­schaft gelöscht wurde. Weit­er­lesen