Saarbrücken. Am Willi-Graf-Ufer unter der Luisenbrücke wurden am Sonntag, den 7. Juni 2026, gegen 17 Uhr mehrere antifaschistische Graffitis gezielt mit weißer Farbe übersprüht. Darüber hinaus wurde unter anderem das Logo des ukrainischen Azow-Regiments an den Brückenpfeiler gesprüht.Die drei Täter wurden dabei von Zeug*innen beobachtet und konnten gefilmt werden. Nach Einschätzung der Antifa Saar / Projekt AK handelt es sich bei den Tätern zweifelsfrei um Neonazis. Die Aufnahmen veröffentlichen wir im Folgenden ausschnittsweise.
Es handelt sich nicht um einen Einzelfall. Bereits einen Tag später, am 8. Juni 2026, wurde in der Großherzog-Friedrich-Straße auf Höhe der Hausnummer 53 ein ebenfalls mit weißer Farbe gesprühtes Hakenkreuz entdeckt. Zudem war wenige Tage zuvor das Waldbesetzer*innen-Camp „Barrio Hanni“ im Saarbrücker Uni-Wald Ziel eines rechten Angriffs geworden. Unbekannte drangen nachts in das Camp ein, hinterließen nationalsozialistische Symbole und verwüsteten Teile des Camps.
Die Ereignisse belegen eine zunehmende Aktivität rechter Akteure im Saarbrücker Stadtgebiet. Die gezielte Zerstörung von antifaschistischer Streetart, das Auftauchen von Nazi-Symbolik im öffentlichen Raum sowie Angriffe auf linke Projekte sind Teil einer politischen Strategie der Einschüchterung und Raumnahme. Die Antifa Saar / Projekt AK ruft dazu auf den rechten Umtrieben entschlossen entgegenzutreten. Hinweise zu den beteiligten Neonazis können vertraulich an info@antifa-saar.org gesendet werden.
Kein Fußbreit den Faschisten!
Nazis gibt’s in jeder Stadt – bildet Banden, macht sie platt!
Lebach, Saarlouis und jetzt St. Wendel. Am Samstag, den 31.05.2025, soll der dritte Aufmarsch extrem rechter Akteur:innen unter dem Motto “Gemeinsam für Deutschland” stattfinden. Das werden wir nicht unbeantwortet lassen! Wir stellen uns dem rechten Vormarsch entgegen!
Extrem rechte Kräfte aus dem offen rechtsradikalen Flügel der Pandemieleugner:innenbewegung sowie neonazistische Kräfte versuchen durch die bundesweite Kampagne “Gemeinsam für Deutschland” mit zeitgleichen Demonstrationen im gesamten Bundesgebiet den Kampf um die Straßen auf eine neue Stufe zu heben. Die extrem rechte Demonstrationskampagne wurde von Dennis Prakenings und Sascha Dominikowski aus Schleswig-Holstein initiiert. Nach außen demonstrieren sie für “flächendeckende Grenzkontrollen”, “gegen die finanzielle Unterstützung der Ukraine” oder “für den Schutz der Bevölkerung”. Hinter diesen vermeintlich “gemäßigten” Parolen, auf die auch Teile der saarländischen Presse hereinfallen, steckt die alte braune Pest” Wie sie wirklich wollen, ist klar: eine deutschnationale, rassistische und queerfeindliche Agenda durchsetzen und die faschistischen Kräfte stärken” Ziel der Kampagne ist vor allem die Vernetzung extrem rechter Akteur:innen und eine neonazistische Raumnahme. Ihre Demonstrationen sind also keine harmlosen Spaziergänge, sondern eine Mobilisierung von Neonazis, AfD-Anhänger:innen und rechtsradikalen Pandemieleugner:innen.
Je nach Bundesland haben die Aufmärsche unterschiedliche Erscheinungen: Während in manchen Städten der Charakter der Demonstrationen offen militant neonazistisch geprägt war, orientierte sich die saarländische Demonstration eher an der antisemitischen und deutschnationalen Pandemieleugner:innen- und Querfront- Friedensbewegung. Hier laufen Esoteriker:innen, Verschwörungsgläubige und vermeintliche Friedensfreund:innen Seite an Seite mit den Altkadern des saarländischen Neonazismus, wie auch mit neuen möchtegern-Kadern der sich bundesweit entwickelnden neonazistischen Jugendbewegung.
Noch im März folgten in Lebach dem Aufruf 400 Personen, in Saarlouis waren es im April nur noch 300. Als Organisatorin der saarländischen Aufmärsche tritt Monika Trodler vom AfD-Stammtisch “Freunde Hochwald” auf. Diese organisiert auch die Kundgebungen von “Selbstdenker Kell/Hermeskeil”, wie im letzten Monat in Trier. Auf diesen Demonstrationen sind laut Organisatorin die Pride-Fahne verboten, Fahnen des Deutschen Reiches jedoch gerne gesehen, was sich junge Neonazis nicht nehmen lassen wollten und diese vor Ort stolz präsentierten. Die Themen der ekelhaften Redebeiträge bei der Demonstration in Saarlouis reichten von rechten Propagandafloskeln wie “Mut und Wahrheit” sowie dem vermeintlichen Kampf für “Meinungsfreiheit”, über Coronaimpfungen bis zur Hetze gegen trans Personen und Sexualaufklärung.
Wie schon Lebach und Saarlouis ist auch St. Wendel nicht zufällig gewählt. Während der Corona-Pandemie war St. Wendel einer der Orte, wo die sogenannte Wuerdenker-Bewegung schon früh auf sehr fruchtbaren Boden traf. Neben der Involvierung nicht unwesentlicher Teile des städtischen Kleinbürger:innentums machte sich hier vor allem auch die Dichte der esoterisch oder anthroposophisch geprägten Bevölkerung im gesamten Landkreis bemerkbar. Die auf den Kundgebungen gehaltenen Reden waren teils offen antijüdisch, wie diejenige des sarländischen Verschwörungsideologen und offenen Antisemiten Traugott Ickeroth. Auch der revanchistische und deutschnationale Hetzer Thorsten Schulte, welcher sich als “kritischer Journalist” ausgibt, konnte vor mehreren hundert Menschen davon faseln, dass Deutschland fremdbestimmt sei und “Selbstbestimmung für die Deutschen” fordern. Auch hier hüllten sich die altbekannte Hetze von Nazis und deutschen Revanchisten in ein lächelndes “bürgerliches” Gewand, um die Bevölkerung zu verhetzen. An diese Erfolge will die Demonstration in St. Wendel anknüpfen. Dies gilt es zu verhindern durch entschlossenen antifaschistischen Widerstand!
Jeder Meter extrem rechter Raumnahme ist eine ekute Gefahr für die Betroffenen von deutschem Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, Frauen- und Queerfeindlichkeit!
Dort wo sich Faschist:innen sicher fühlen, werden sie den rechten Terror entfachen, wenn man sie nicht stoppt. Dies zeigen auch zwei jüngere Beispiele aus St. Wendel: In der Silvesternacht 2017/18 wurden linke Jugendliche unter “Sieg Heil”-Rufen mit Böllern beworfen und teils zusammengeschlagen. Im April diesen Jahres gab es einen Brandanschlag in der Innenstadt, bei dem selbst die Polizei “ein rassistisches Motiv nicht ausschließt”. In Solidarität mit den Betroffenen rechten Terrors müssen wir den rechten Vormarsch stoppen. Deshalb müssen wir uns diesem Aufmarsch entgegenstellen!
Kommt zur antifaschistischen Demonstration am 31.05. in St. Wendel und organisiert den antifaschistischen Widerstand gegen die faschistische Pest — in St. Wendel und überall!
Am Samstag, den 26. April 2025, versammelten sich in Saarlouis zahlreiche Antifaschist*innen, um gegen einen rechten Aufmarsch zu demonstrieren.
Der Aufmarsch in Saarlouis war Teil einer bundesweiten Mobilisierung, bei der rechte Gruppen unter dem Titel „Gemeinsam für Deutschland“ auf die Straßen gingen. Bereits im März hatten solche Gruppen in Lebach demonstriert, wobei ein knapp 400-köpfiger Mob – bestehend aus Neonazis, „besorgten Bürger*innen“ und Teilen der Querdenken-Bewegung – mit Reichs- und Deutschlandfahnen durch die Stadt zog und unter anderem schärfere Grenzkontrollen forderte.
Für den 26. April 2025 riefen dieselben Gruppen erneut zu Demonstrationen in mehreren Städten auf, darunter auch Saarlouis. Dort brachten sie 300 Personen auf die Straße. Die Organisator*innen der Proteste im Saarland gehören zur Gruppe „Selbstdenker Kell/Hermeskeil“, die enge Verbindungen ins rechte Milieu pflegen. Entsprechend wurden die Themen am offenen Mikro gesetzt: Von “Mut und Wahrheit” sowie “Meinungsfreiheit”, über Corona-Impfungen bis zur Hetze gegen trans Personen und Sexualaufklärung. Ähnlich schmerzhaft klang ihr Versuch, die deutsche Nationalhymne vorzutragen.
Heute stellten sich über 200 Antifaschist*innen aus dem gesamten Saarland dem schwarz-rot-braunen Aufmarsch entgegen. Bereits zu Beginn machte die Antifa Saar / Projekt AK klar, dass es am heutigen Tag nicht um langwierige Reden, sondern um entschlossenen Widerstand gegen die rechte Mobilisierung gehe. In der Rede wurde auch die Geschichte Saarlouis’ als ehemalige Hochburg der Neonazi-Szene thematisiert. Besonders erinnert wurde an den rassistisch motivierten Mord an Samuel Yeboah 1991, der jahrelang von der Stadt verschleiert wurde, bevor er 2023 offiziell als rassistisches Verbrechen anerkannt wurde.
Die Antifa Saar / Projekt AK entlarvte die Strategie der Rechten, sich unter dem Deckmantel von „Friedensbewegung“ und Symbolen wie Friedenstauben zu präsentieren, während ihre Ideologie weiterhin nationalistisch und rassistisch bleibt. Der Erfolg rechter Mobilisierungen sei ein alarmierendes Zeichen, das entschlossenen Gegenprotest erfordere. Die Antifa Saar / Projekt AK rief alle Anwesenden und nicht-Anwesenden auf, sich an den Gegenaktionen zu beteiligen und sich antifaschistisch zu organisieren, um dem gesellschaftlichen Rechtsruck entgegenzutreten.
Was immer wieder auffällt: Die sogenannte bürgerliche Mitte läuft zusammen mit radikalen Rechten und Verschwörungsideolog*innen. Wer wirklich für Zusammenhalt und Gerechtigkeit einstehen und nicht vor allem die eigenen Vorrechte sichern will, steht Seite an Seite mit uns. Danke an alle Antifaschist*innen, die heute durch eine Kundgebung sowie Blockaden und Störungen gemeinsam ein deutliches Zeichen für gelebten Widerstand und Solidarität im Kampf gegen den rechten Vormarsch gesetzt haben.
Im vergangenen März gingen bundesweit faschistische Gruppen unter dem Titel „Gemeinsam für Deutschland“ auf die Straßen.
Auch im Saarland wurde demonstriert. Unter Reichs‑, Deutschland- und Friedenstaubenfahnen zog ein knapp 400-köpfiger Mob aus grotesk anmutenden Friedenshippies, Neonazis von NPD bis AfD und „besorgten Bürgern“
von der Lebacher Innenstadt zu der zentralen Unterkunft für Geflüchtete und forderte unter anderem schärfere Grenzkontrollen. Der Mobilisierungserfolg der Rechten war für viele Antifaschist*innen – auch für uns – eine böse Überraschung. Spürbarer Gegenprotest blieb aus. Das wird diesmal anders.
Für kommenden Samstag, den 26. April, mobilisieren rechte Gruppen unter dem gleichen Titel wie im März wieder bundesweit zu Demonstrationen. So in Flensburg, Itzehoe, Bad Schwartau, Cuxhaven, Rostock, Hamburg, Bremen, Oranienburg, Berlin, Magdeburg, Dortmund, Thorgau, Weimar, Koblenz, Frankfurt am Main, Aschaffenburg, Nürnberg, Karlsruhe, Reutlingen, Balingen, München und Saarlouis.
Organisiert werden sie meist vom rechten Rand von Querdenken. Hinter den Aufmärschen im Saarland steckt Monika Trodler mit ihrer Gruppe „Selbstdenker Kell/ Hermeskeil“.
Antifaschist*innen aus dem ganzen Saarland mobilisieren nach Saarlouis um den Naziaufmarsch zu verhindern!
Wir rufen dazu auf sich an der Demo und den Aktionen am 26. April 2025 in Saarlouis zu beteiligen.
Organisiert Euch in antifaschistischen Gruppen!
Kommt zum Offenen Antifa Treffen in Saarbrücken!
Auf den Staat ist im Kampf gegen Rechts kein Verlass – Nur gemeinsam schaffen wir es den Rechtsruck auf Dauer zurückzudrängen!
Am 19. September 2024 jährt sich der rassistische Brandanschlag in Saarlouis-Fraulautern, bei dem Samuel Kofi Yeboah ermordet wurde, zum 33. Mal.
Fast 30 Jahre lang wurde die Forderung nach Aufklärung, Konsequenzen und einem würdigen Gedenken an Samuel Kofi Yeboah alleine von antifaschistischen Gruppen getragen und entgegen der offiziellen Version immer wieder angeprangert: Es war ein rassistischer Brandanschlag, begangen von organisierten und militanten Naziskins, er war getragen von einer pogromartigen Stimmung in der deutschen Bevölkerung und wurde durch Verleugnen und Verharmlosen der damaligen Behörden gedeckt.
Jetzt ist die Tat juristisch aufgeklärt. Jetzt kann die Stadt Saarlouis nicht weiter leugnen, dass es ein rassistischer Brandanschlag war. Die saarländische Ministerpräsidentin entschuldigte sich bei den Opfern, der saarländische Polizeipräsident entschuldigte sich für „Versäumnisse“ in den damaligen Ermittlungen, ein Entschädigungsfonds für Opfer rassistischer Gewalt ist beschlossen und ein Untersuchungsausschuss im saarländischen Landtag soll jetzt die politische und gesellschaftliche Dimension aufarbeiten.
Über 30 Jahre später ist es aber für viele zu spät. Für die Betroffenen, die nicht mehr leben, die abgeschoben wurden, oder die diese Jahre in Angst und ohne jede Unterstützung ertragen mussten. Auch die Erinnerung der Zeug:innen – selbst wenn sie sich bemühten – ist verblasst. Aber als Signal, dass Verbrechen auch spät noch aufgeklärt werden können, ist die Entwicklung sehr wichtig. Und als Signal auch an die Täter, niemals sicher sein zu können.
Aufgeklärt ist indes vieles eben noch nicht. Eine unfassbare Reihe von über 20 rechten Brand- und Bombenanschlägen, einige im unmittelbaren Umfeld in Saarlouis zu Beginn der 1990er Jahre, will jetzt der Untersuchungsausschuss aufarbeiten, auch das Versagen von Politik und Behörden dabei.
Das Gedenken an Samuel Kofi Yeboah wird uns immer begleiten, mit Trauer und Wut über das Verbrechen, aber auch mit dem Wissen um die Notwendigkeit unabhängiger antifaschistischer Aufklärung.
KEINSCHLUSSSTRICH. Aufklärung statt Verharmlosung des Rechten Terrors! Für ein würdiges Gedenken an die Opfer rechter Gewalt! Organisiert den Antifaschistischen Selbstschutz!
Wir unterstützen den Aufruf für den Gegenprotest gegen die AfD-Veranstaltung am 26.01.2014 — 17:30 Landwehrplatz Saarbrücken (von dort Demo mit Kundgebung am Schloss)
Alle zusammen gegen den Faschismus!
Unter dieser Parole haben sich allein in Saarbrücken letztes und dieses Wochenende mehr als 15000 Menschen versammelt. Menschen, die genug haben von Rassismus, von Antisemitismus, von Menschenfeindlichkeit. Menschen, die genug haben von der AfD. Es ist ein Lichtblick in Zeiten eines weltweiten Rechtsrutschs, dass bundesweit hunderttausende auf den Straßen waren und klar gemacht haben: “AfD — ihr kotzt uns an”. Doch die AfD gibt es noch. Und sie ist auch im Saarland aktiv. Die innerparteilichen Querelen sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die AfD im Saarland genauso gefährlich ist wie anderswo. So hat der Landesvorsitzende Carsten Becker die Correctiv-Recherche nicht nur als “Denunziantentum” tituliert, sondern hielt weiterhin an der Forderung nach “Remigration” fest. Diese Forderung trug er bereits im August 2023 auf seinem Shirt — bei einer Schulveranstaltung in Saarlouis. Ein weiteres Beispiel ist Nicole Höchst, eine AfD-Bundestagsabgeordnete aus der Region, die regelmäßig bei dem rechtsextremen “Marsch für das Leben” spricht und sich dabei nicht nur gegen das Recht auf Abtreibung, sondern sich auch für ein ethnisch definiertes deutsches Volk ausspricht. Das ist nur die Spitze des Eisberges. Die AfD verachtet Menschen mit Migrationshintergrund, verachtet Muslim:innen, Jüd:innen, Frauen und Queers. Und die AfD will am Freitag, dem 26.01.2024, auf dem Saarbrücker Schlossplatz eine als “Bürgerdialog” getarnte Veranstaltung machen. Dort werden u. a. Christian Wirth, Sebastian Münzenmaier und Rainer Kraft den Hass und die Lügen der AfD verbreiten. Der saarländische AfD-Bundestagsabgeordnete Christian Wirth hat Verbindungen zu mehreren Saarbrücker Burschenschaften, wo völkisches Elite-Denken, Rassismus und Antisemitismus an der Tagesordnung sind. Mit Sebastian Münzenmaier kommt nicht nur der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, sondern auch ein verurteilter Hooligan. Der bayerische AfD-Abgeordnete Rainer Kraft ist nicht nur ein Gründungsmitglied des offen faschistischen “Flügels” der AfD, er war auch Mitglied einer Chatgruppe, in der Umsturzphantasien besprochen wurden. Aber wir sagen Nein! Mischen wir uns ein! Wir zeigen der AfD vor Ort und Angesicht zu Angesicht, was wir von ihr halten! Wir übertönen ihren Hass und lassen sie nicht zu Wort kommen! Lasst uns ihnen gemeinsam den Abend versauen!
Kommt mit uns zum Landwehrplatz um 17:30, um von dort als laute Demo zum Schloss zur Gegenkundgebung zu gehen.
Bringt Schilder, Plakate, Fahnen mit — und seid laut!
31 Jahre nach der Ermordung Samuel Yeboahs hat die Bundesanwaltschaft am heutigen 4. April 2022 den Saarlouiser Nazi Peter Werner Schlappal (50), der heute Schröder heißt, wegen des Brandanschlags am 19. September 1991 verhaften lassen. Schlappal wird der Mord an Samuel Yeboah sowie versuchter Mord in weiteren 20 Fällen und Brandstiftung mit Todesfolge vorgeworfen.
Peter Werner Schlappal
Schlappal ist am frühen Morgen in Saarlouis durch Polizeikräfte festgenommen worden. Er soll im Laufe des heutigen Tages dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof in Kralsruhe vorgeführt werden. Wie die Bundesanwaltschaft mitteilt, soll sich nach deren Ermittlungen die Ermordung Samuel Yeboahs wie folgt zugetragen haben:
Anlässlich der politischen Debatte zur Einführung einer Impfpflicht inszenieren im Saarland seit mehreren Wochen Impfgegner_innen, Esoteriker_innen und Verschwörungsgläubige gemeinsam mit fundamentalistischen Christ_innen und der extremen Rechten einen vermeintlich bürgerlichen Protest. Dieser äußert sich insbesondere in als „Spaziergängen“ getarnten Aufzügen mit bis zu einigen Hundert Teilnehmenden und in Demonstrationen mit mehreren Tausend Menschen. Bindeglied der heterogenen Demonstrierenden sind verschwörungsideologische und antisemitische Denkmuster. Es verwundert daher wenig, dass sich die saarländische extreme Rechte nicht nur an den Protesten beteiligt, sondern diese zum Teil auch organisiert.
Das Transparent mit der rechten Parole “Heimatschutz statt Mundschutz” am 19.12.2021 direkt hinter dem Fronttransparent.
Foto: Kai Schwerdt, CCBY-NC 2.0
Die extreme Rechte von Beginn an dabei
Die Beteiligung von extrem Rechten an Corona-Protesten ist kein neues Phänomen. Bereits im Frühjahr 2020, als die ersten Proteste gegen Corona-Maßnahmen im Saarland stattfanden, nahmen etwa 30 Nazis an dem damals mit 250 Teilnehmer_innen noch überschaubaren Protest teil.1 Die ungebrochene Kontinuität, mit der sich die extrem rechte Szene seither an den Protesten beteiligt, kann – ebenso wie der Unwille der Organisator_innen, Nazis konsequent von ihren Aktionen auszuschließen – auf eine ideologische Nähe zurückgeführt werden. Wenn innerhalb der Proteste etwa von einer vermeintlich übermächtigen Bedrohung durch Pharmakonzerne, Bill Gates oder George Soros die Rede ist, passt dies hervorragend in das völkisch-antisemitische Weltbild der extremen Rechten. Weitere ideologische Parallelen sind das Narrativ einer vermeintlichen Volksgesundheit, die vor einer Manipulation durch mRNA-Impfstoffe zu schützen sei oder das innerhalb der Bewegung weit verbreitete reaktionäre Frauenbild, welches Frauen nahezu ausschließlich als Mütter und Beschützerinnen der Kinder inszeniert. Für Nazis herrscht bei Corona-Protesten in der Regel eine Wohlfühlatmosphäre.
Nach einem ersten Propagandaerfolg der saarländischen Impfgegner-Szene am vergangenen Sonntag mobilisieren abermals bekannte Nazis zu einer Demonstration gegen Corona-Schutzmaßnahmen, die am kommenden Sonntag, den 19.12.2021 um 15 Uhr, auf dem Saarbrücker Landwehrplatz starten soll.
Schon vergangenen Sonntag hatten sich zwischen 250 und 300 Impfgegner zusammen mit Reichsbürgern und Angehörigen der rechten Szene am Saarbrücker Gesundheitsamt versammelt. Sowohl die Saarbrücker Zeitung, als auch der Saarländische Rundfunk, die vor Ort nicht erkennbar waren, hatten im Anschluss übereinstimmend von angeblich 600 Teilnehmenden berichtet. Übersichtsaufnahmen von Beginn und Ende der Veranstaltung sowie Schilderungen von Beobachtern belegen jedoch unzweifelhaft, dass diese Zahl deutlich übertrieben ist. Tatsächlich waren – was schlimm genug ist – nur etwa 300 Personen an dem Aufzug, der sich weitgehend durch menschenleere Straßen bewegte, beteiligt. Die Berichterstattung der saarländischen Lokalmedien setzt damit ihre traurige Serie von Übertreibungen in Bezug auf öffentliche Aufmärsche von Impfgegnern und Querdenkern fort. Und so verwundert es auch wenig, dass die Tatsache, dass am vergangenen Sonntag auch zahlreiche Reichsbürger und Angehörige der rechten Szene an der Veranstaltung teilnahmen, unerwähnt blieb.
Für Kenner der saarländischen Impfgegner- und Querdenker-Szene ist es jedoch keineswegs verwunderlich, dass der für den kommenden Sonntag, den 19.12.2021 um 15 Uhr am Landwehrplatz angekündigte Aufmarsch – wie andere Veranstaltungen in der Vergangenheit auch offensiv von extrem Rechten, wie z.B. Jacqueline Süßdorf und Elfi Kämmer, beworben wird. Dies belegen unter anderem entsprechende Postings in den einschlägigen Telegram-Kanälen.
Zum Mord an Samuel Yeboah: Interview mit Mitgliedern der ehemaligen Antifa Saarlouis
Demonstration unmittelbar nach dem Mord 1991.
Wir haben mit Richard und Ilja gesprochen. Beide waren in den 90er Jahren in der Antifa Saarlouis aktiv. Mit ihnen haben wir über die damalige Zeit gesprochen um bewusst zu machen, wie kurz nach dem rassistischen Mord an Samuel Yeboah in Saarlouis mit Neonazis, aber auch dem antifaschistischen Widerstand gegen diese umgegangen wurde. Wir wollen damit aufzeigen, welche Stimmung in der Festungsstadt herrschte und wie fest verankert die rechte Szene in Saarlouis war. Aber lest selbst: