Die Saar-AfD: Rechtsaußen angekommen

Vorne: AfD, Hinten: andere Nazis u.a. Lothar Jünger (SaGeSa), Harry Kirsch (FBU), Gabriele Conrad (SaGeSa) und Peter Marx (Landesvorsitzender der NPD). Foto: Saarbrücker Zeitung

Nicht nur inhaltlich nah beisam­men: AfD, NPD und Sage­sa auf ein­er AfD — Kundge­bung. Foto: Saar­brück­er Zeitung

Auf ihrem Lan­desparteitag am 17. April 2016 stell­ten sich die Delegierten hin­ter den Vor­sitzen­den Josef Dörr und dessen Stel­lvertreter Lutz Heck­er. Diese waren über Recherchen gestolpert, in denen die Koop­er­a­tion der Saar-AfD mit extrem recht­en Split­ter­grup­pen aufgedeckt wurde. Mit dem Parteitags­beschluss ord­net sich die Saar-AfD damit in eine Rei­he extrem rechter Lan­desver­bände um den Faschis­ten Björn Höcke1 ein. Ein endgültiger Beschluss des Parteis­chieds­gerichts über die Auflö­sung des Saar-Lan­desver­ban­des durch die Bun­despartei ste­ht noch aus. Neben der Zusam­me­nar­beit mit der extremen Recht­en rekru­tiert die AfD Mit­glieder aus nation­al­is­tis­chen Burschen­schaften und bietet auch Geschicht­sre­vi­sion­is­ten und NS-Ver­her­rlich­ern eine wohlige Heimat. Am 3. Juli find­et nun erneut ein Lan­desparteitag in Völk­lin­gen Wehrden statt, auf dem Rudolf Müller als enger Ver­trauter des skan­dalumwit­terten Parteivor­sitzen­den Dörr zum Spitzenkan­di­dat­en gewählt wer­den soll.2

Die Autokratie des Josef Dörr

Josef Dörr Demo

Josef Dörr bei ein­er Kundge­bung der AfD

Der ange­blich 320 Mit­glieder umfassende Saar-Lan­desver­band der AfD3 wird geführt von ein­er eingeschwore­nen Clique um den 77-jähri­gen Quier­schieder Josef Dörr, der über Jahrzehnte Mit­glied bei CDU und Grü­nen gewe­sen ist. Dieser hat inner­halb der Partei ein Netz aus Freund_innen und Ver­wandten gespon­nen, mit deren Hil­fe er in patri­ar­chalis­ch­er Manier über die Saar-AfD herrscht.4 So ist sein Sohn Michel Dörr Vor­sitzen­der des Kreisver­ban­des Saar­brück­en Land und Mit­glied des Lan­desvor­stands. Eben­falls dem Lan­desvor­stand ange­hörend und enger Ver­trauter von Josef Dörr ist Rolf Müller, der außer­dem auch als Vor­sitzen­der des Kreisver­ban­des Saar­brück­en-Stadt fungiert. Müller betreibt gemein­sam mit sein­er Ehe­frau Moni­ka Müller ein Antiq­ui­tätengeschäft in Saar­brück­en am St. Johan­ner Markt. Frau Müller ist die Schwest­er des zum 1. Juli 2016 abge­set­zten5 Präsi­den­ten des Aus­lands­ge­heim­di­en­stes BND („Bun­desnachrich­t­en­di­enst“) Ger­hard Schindler und kan­di­dierte für die Saar-AfD schon als stel­lvertre­tende Lan­desvor­sitzende.6 Zudem trat sie mehrmals sowohl als Ver­anstal­terin als auch als Lei­t­erin eines „Fachauss­chuss­es“ der AfD auf.7

Dem Lan­desver­band Saar wird von der Bun­despartei „monate­lange Vet­tern­wirtschaft“ und die „Manip­u­la­tion von Mit­gliederlis­ten“ vorge­wor­fen, es herrsche das Prinzip „Fam­i­ly and Friends“ (Frauke Petry).8 Dieses Prinzip soll Josef Dörr bere­its während sein­er langjähri­gen Zeit als Partei­funk­tionär der saar­ländis­chen Grü­nen beherrscht haben: „Das Sys­tem“ des ehe­ma­li­gen Kassen­warts Dörr soll dazu gedi­ent haben, die Macht des Grü­nen-Vor­sitzen­den Hubert Ulrich zu sich­ern.

Dieser Feuersturm wird alles hinwegfegen und vernichten, was schlecht ist“

Zum Lan­desvor­sitzen­den gewählt wurde der ehe­ma­lige Schulleit­er Josef Dörr am 26.04.2015 auf einem Lan­desparteitag im Dud­weil­er Bürg­er­haus. Die Bewer­bungsrede Dörrs beze­ich­neten selb­st AfD-Mit­glieder als „schock­ierend“ und „abstoßend“,9 Dörrs Vorgänger Johannes Tram­pert erk­lärte daraufhin sog­ar seinen Parteiaus­tritt.10 Im Ton­fall eines Björn Höcke kon­sta­tierte Dörr, dass „ein Hauch von Geschichte durch diesen Saal“ wehe. Und Dörr weit­er: „Um große Ziele zu erre­ichen, müssen wir auch den Gedanken ver­lassen, eine Partei zu sein. Das sind wir nicht! Mich hat sein­erzeit eine Rede des Bun­desvor­sitzen­den Pro­fes­sor Bernd Lucke sehr bewegt, in der er gesagt hat: Wir müssten eigentlich eine Bewe­gung sein, aber wir müssen laut rechtlichen Vorschriften eine Partei sein. Wohl war!“11 Der Bezug zum Nation­al­sozial­is­mus, der sich von Anfang an mehr als Bewe­gung denn als Partei herkömm­lichen Typs ver­stand,12 ist in der Rede Dörrs nicht zu leug­nen. Schon Goebbels schwadronierte 1934 von ein­er „braunen Armee als Bewe­gung“.13

Und als ob das nicht genug sei, fuhr Dörr fort: „Wir spüren eine tiefe Glut in uns. Diese Glut ist nicht die Glut ein­er ohn­mächti­gen Wut, es ist die Glut ein­er mächti­gen Wut. An ihr wer­den wir das Feuer ent­fachen. Die Missstände in unserem Land sind der Wind, der diese Glut ent­facht. Eine Flamme kommt zur anderen Flamme. Die Flam­men wach­sen zu einem Flam­men­meer und schließlich zu einem Feuer­sturm. Dieser Feuer­sturm wird alles hin­wegfe­gen und ver­nicht­en, was schlecht ist (…).“14 Ein Video der Rede auf Youtube ist zwis­chen­zeitlich gelöscht wor­den.15

Eine solche an Reden von Nation­al­sozial­is­ten wie Goebbels erin­nernde Sprache und das Vorhaben Dörrs, ein „Feuer­sturm“ möge alles Schlechte „hin­wegfe­gen und ver­nicht­en“, hielt die saar­ländis­chen Delegierten im Anschluss an die Rede mit­nicht­en davon ab, ihn zum Lan­desvor­sitzen­den zu wählen.

Die Saar-AfD und die Neonazis

In sein­er Aus­gabe vom 10.03.2016 berichtete das Mag­a­zin „Stern“ über Kon­tak­te der saar­ländis­chen AfD mit der extremen Recht­en.16 So traf sich Josef Dörr am 22.07.2015 mit Vertreter_innen der „Freien Bürg­er Union“ (FBU) im Café Stormwind in Schwal­bach. Bei der FBU han­delt es sich um eine extrem rechte Kle­in­st­partei, die im Saar­land haupt­säch­lich von ent­täuscht­en NPD-Mit­gliedern der ehe­ma­li­gen Völk­linger Stad­trats­frak­tion getra­gen wird. FBU-Aktivis­ten wie Otfried Best und Har­ry Kirsch gehören außer­dem zu den maßge­blichen Akteuren bei Sage­Sa („Saar­län­der gegen Salafis­ten“). Sage­Sa ist ein parteiüber­greifend­es Pro­jekt der extremen Recht­en im Saar­land, dominiert vor allem von der NPD um den Neon­azi Sascha Wag­n­er wie auch von der FBU mit Otfried Best.17

Im Café Stormwind sprach Josef Dörr mit Vertreter_innen der FBU über die Gemein­samkeit­en der Parteien und verteilte AfD-Mit­glied­santräge. Er ver­sprach außer­dem den FBU-Mit­gliedern einen Rabatt auf den Mit­glieds­beitrag. Weit­ere Tre­f­fen zwis­chen Mit­gliedern von AfD und FBU fol­gten und die Pla­nun­gen ein­er Zusam­me­nar­beit schrit­ten offen­bar auch voran: Sog­ar die Lis­te­nauf­stel­lung für den Land­tagswahlkampf 2017 wurde besprochen, FBU-Mit­gliedern seien Plätze auf der AfD-Lan­desliste fest eingeräumt wor­den.18 Dörr soll außer­dem einen Beitrag in der FBU-Mit­glieder­pos­tille ver­fasst haben, in der er schrieb: „Liebe Wegge­fährten, ich fände es gut, wenn es gelänge, daß die Alter­na­tive für Deutsch­land LV Saar und die Freie Bürgerunion LV Saar zusam­me­nar­beit­en – statt gegeneinan­der anzutreten, — um so die frei­w­er­den­den per­son­ellen Syn­ergieef­fek­te zu bei­der­seit­igem Nutzen auszuschöpfen. Zusam­me­nar­beit verbindet. Ganz in diesem Sinne hoffe ich auf viele Gemein­samkeit­en. Ihr Josef Dörr.“19 Dörr leugnet die Autoren­schaft, hat es allerd­ings bis jet­zt unter­lassen, rechtlich gegen die Behaup­tung von FBU und Saar­brück­er Zeitung vorzuge­hen, dass er der Ver­fass­er sei.20

Die groß angekündigte Demon­stra­tion der AfD am 4. Novem­ber 2015 in Saar­brück­en war alles andere als der propagierte Höhep­unkt ihrer „Herb­stof­fen­sive“: Unter den lediglich etwa 80 Teilnehmer_innen21, die von Antifaschist_innen bei ihrem Treiben gestört wer­den kon­nten, befan­den sich außer­dem zahlre­iche Protagonist_innen der extremen Recht­en, u.a. Sascha Wag­n­er, Lothar Jünger, Gabriele Con­rad (alle Sage­Sa), Ulrike Rein­hardt („Pfälz­er Spaziergänger“) Har­ry Kirsch (FBU) und Peter Marx (Lan­desvor­sitzen­der der NPD).22

Wie die Recherchen des „Stern“ bele­gen, hat­te Ulrike Rein­hardt sowohl mit Josef Dörr als auch mit dessen Stel­lvertreter Lutz Heck­er „geplaud­ert“23 und „ins­ge­samt 18 Per­so­n­en ani­miert“, auf die AfD-Demo zu kom­men, darunter „4 Mit­glieder der npd und 3 der fbu“.24 Auch mit Sascha Wag­n­er (Sage­Sa) soll Dörr sich getrof­fen haben. Auf Ein­ladung der AfD sprach Peter Marx, der Lan­desvor­sitzende der NPD, bei einem „Bürg­er­dia­log“ der AfD in Dud­weil­er.25

Mit ihren Kon­tak­ten zu den ver­schieden Play­ern der extremen Recht­en ver­sucht die Saar-AfD, sich an die Spitze der braunen Bewe­gung zu set­zen und strebt offen­bar eine Eini­gung der extrem recht­en Kräfte an. In Umfra­gen ist die AfD aktuell die einzige braune Partei mit ein­er real­is­tis­chen Per­spek­tive auf den Einzug in Land- bzw. Bun­destag. Dies scheinen auch die Vertreter_innen ander­er Grup­pierun­gen des recht­en Ran­des zu reg­istri­eren und sich durch eine Zusam­me­nar­beit mit Dörr und Co. Chan­cen auf Man­date auszurech­nen.

Rücktritt und Rücktritt vom Rücktritt

Nach­dem Josef Dörr das Prob­lem zunächst damit zu lösen ver­suchte, die Vor­würfe zu leug­nen und als Hirnge­spin­ste der „Lügen­presse“ abzu­tun, geri­eten Dörr und Heck­er nach Veröf­fentlichung der „Stern“-Recherche zunehmend in Erk­lärungsnot26 und gaben am 10. März bekan­nt, ihre Ämter ruhen lassen zu wollen.27 Doch diese Ruhe währte nicht allzu lange: Mit Bekan­nt­gabe der ersten Ergeb­nisse der Land­tagswahlen in Baden-Würt­tem­berg, Rhein­land-Pfalz und Sach­sen-Anhalt am 13. März, bei denen die AfD große Stim­men­zuwächse erzie­len kon­nte, nah­men Dörr und Heck­er mit der Behaup­tung, die Vor­würfe seien nichts als „kalter Kaf­fee“, ihre Ämter wieder auf.28 Am 18. März teil­ten die bei­den mit, auf dem bevorste­hen­den Lan­desparteitag am 17. April kurz zurück­treten zu wollen, um sich dann als Ver­trauens­be­weis sofort wieder wählen zu lassen.29

Auflösung des Landesverbands

Am 24. März beschloss der Bun­desvor­stand der AfD auf­grund der gegen die saar­ländis­che Parteiführung erhobe­nen Vor­würfe, den Lan­desver­band mit sofor­tiger Wirkung aufzulösen – ein in der Geschichte der BRD höchst sel­tener Vor­gang.30 Sol­i­dar­ität­sadressen an den abge­set­zten Dörr kamen indes von entsprechen­der Seite: Der NPD-Lan­desvor­sitzende Peter Marx betonte, er „werde nichts sagen, was [seinem] Kol­le­gen Lan­desvor­sitzen­den Josef Dörr schaden kön­nte“, er halte ihn „für einen ordentlichen, inte­gren Mann.“ Für den Fall, dass es bei der Auflö­sung des AfD-Lan­desver­bands bliebe, würde er Dörr „einen sicheren Platz auf der NPD-Liste für die Land­tagswahl anbi­eten“. Marx wies auf die aus sein­er Sicht „sehr großen Schnittmen­gen“ zwis­chen bei­den Parteien hin.31 Die Bun­des-AfD leit­ete außer­dem ein Parteiauss­chlussver­fahren gegen Dörr und Heck­er ein.

Ein Grund für den Beschluss des Bun­desvor­standes kön­nte gewe­sen sein, dass eine Beobach­tung von Teilen der AfD durch den „Ver­fas­sungss­chutz“ dadurch ver­hin­dert wer­den sollte. So habe es im Herb­st 2015 ein Tre­f­fen der Bun­desvor­sitzen­den Frauke Petry mit dem Chef des „Bun­de­samtes für Ver­fas­sungss­chutz“, Hans-Georg Maaßen, gegeben.32 Dieser soll Petry vor recht­sex­trem­istis­chen Umtrieben der AfD im Saar­land gewarnt und ihr mit­geteilt haben, dass eine Beobach­tung der AfD durch den „Ver­fas­sungss­chutz“ dro­he, wenn die Umtriebe der Parteifre­unde im Saar­land nicht unter­bun­den wür­den.

AfD macht mit „Aufbaugruppe“ Bock zum Gärtner

Als Ersatz für den abge­set­zten Lan­desvor­stand wurde von der Bun­despartei eine „Auf­bau­gruppe Saar­land“ einge­set­zt.33 Die Mit­glieder dieser „Auf­bau­gruppe“ sind mitunter nicht weniger mit der extremen Recht­en ver­ban­delt als diejeni­gen, die auf­grund solch­er Kon­tak­te abge­set­zt wer­den soll­ten: Chris­t­ian Wirth, Mit­glied der recht­en Burschen­schaft „Ghi­bellinia zu Prag in Saar­brück­en“,34 fiel 2011 bei einem Über­griff auf Antifaschist_innen auf.35 Ein weit­eres Mit­glied der Auf­bau­gruppe ist Marc Tec­quert, Mit­glied der „Jun­gen Alter­na­tive“ und der recht­en Burschen­schaft Ger­ma­nia.36

Weit­eres Mit­glied der „Ghi­bellinia zu Prag in Saar­brück­en“ in Rei­hen der Saar-AfD ist Dr. Rein­hard Latza37, skan­dalumwit­tert­er Lab­o­rarzt38 aus St. Ing­bert. Er begleit­et im Lan­desvor­stand von Dörrs Gnaden die Funk­tion des Lan­dess­chatzmeis­ters.

Die Burschen­schaft „Ghi­bellinia zu Prag in Saar­brück­en“ ist alles andere als eine harm­lose Stu­den­ten­verbindung. Die Geschichte der „Ghi­belli­nen“ ist dominiert von Nation­al­sozial­is­ten und Anti­semiten.39 Die heuti­gen Mit­glieder dieses reak­tionären, anti­demokratis­chen und frauen­feindlichen Män­ner­bun­des ste­hen ihren Vorgängern in nichts nach: So wer­den auf Sitzun­gen der Burschen­schaft schon mal Pläne für Pogrome geschmiedet und von ein­er „Aktiven­fahrt nach Namib­ia zur Neger­jagd“ geträumt, wie Pro­tokollen zu ent­nehmen ist.40 Bei dem Ver­such, den Nazi Josias Schmidt im Jahr 2012 für die „Ghi­belli­nen“ zu wer­ben, saß Dr. Rein­hard Latza mit am Tisch.41

Die Tat­sache, dass rechte Burschen­schaftler Schlüs­sel­po­si­tio­nen inner­halb der AfD beset­zen, ist indes kein saar­ländis­ches Alle­in­stel­lungsmerk­mal. Beispiele für aus recht­skon­ser­v­a­tiv­en, nation­al­is­tis­chen Burschen­schaften stam­mende AfD-Poli­tik­er gab und gibt es bun­desweit zuhauf.42

Rechtes AfD-Schiedsgericht kassiert Auflösung

Gegen den Auflö­sungs­beschluss des Bun­desvor­stands beantragte Dörr beim Bun­dess­chieds­gericht der AfD eine einst­weilige Ver­fü­gung. Das Schieds­gericht gab diesem Antrag am 11.04. statt und kippte damit – vor­erst – die Auflö­sung des Saar-Lan­desver­bands.43 Die Parteirichter fol­gten der Darstel­lung von Dörr und Heck­er, dass nicht sie den Kon­takt zu extremen Recht­en im Saar­land gesucht hät­ten, son­dern dass diese Kon­takt mit der AfD aufgenom­men hät­ten. Die AfD habe dann alle Gespräche been­det, als ihr klar gewor­den sei, um wen es sich bei FBU, Sage­Sa und Co. han­dele.44 Die Aufhe­bung gilt allerd­ings nur vor­läu­fig bis zum noch ausste­hen­den Haupt­sachev­er­fahren, in dem dann auch Zeu­gen gehört wer­den und eidesstat­tliche Ver­sicherun­gen unter anderem ehe­ma­liger und aktueller AfD-Mit­glieder abgegeben wer­den sollen, um die Vor­würfe gegen Dörr und Heck­er zu bele­gen.45

Die Entschei­dung muss in dem Kon­text gese­hen wer­den, dass das Schieds­gericht der AfD vom extrem recht­en Partei­flügel um Björn Höcke und Alexan­der Gauland dominiert wird und dieser vier der fünf Richter entsandte. Präsi­dent des Schieds­gerichts ist Eber­hardt Brett, Wun­schkan­di­dat des recht­en Flügels, der im Ver­fahren um den Saar-Lan­desver­band auch die Rolle des Vor­sitzen­den Richters inne hat. Brett war bere­its dadurch aufge­fall­en, dass er die Beze­ich­nung des US-Präsi­den­ten als „Quoten­neger“ durch seinen Parteifre­und Dubravko Mandic gegenüber einem Reporter als Sprüche eines „jun­gen Mannes“ abtat, die er „nicht gehört“ haben will.46

Für Frauke Petry stellt das vor­läu­fige Kassieren des Auflö­sungs­beschlusses durch das Schieds­gericht eine weit­ere Nieder­lage gegen den extrem recht­en Partei­flügel dar. Petry, die von nicht Weni­gen als Über­gangsvor­sitzende gese­hen wird, um Recht­saußen zur Macht zu ver­helfen, nach­dem Bernd Lucke und seine Mitstreiter_innen vom Hof gejagt wur­den, kann sich offen­bar immer weniger gegen die Vertreter_innen der extremen Recht­en in der eige­nen Partei durch­set­zen.

Unterstützung für Dörr und Co. vom extrem rechten Flügel

In ihrem Kampf gegen den Bun­desvor­stand erhal­ten die Saar­län­der Dörr und Heck­er durch Björn Höcke Unter­stützung von promi­nen­ter extrem rechter Seite.47

Lutz Hecker

Lutz Heck­er: attestierte Höcke, dass er „her­vor­ra­gende Arbeit“ leiste.

Spätestens mit seinem Auftritt in der Talkrunde von Gün­ther Jauch im Okto­ber 2015 erlangte der Thüringer AfD-Frak­tionsvor­sitzende Höcke bun­desweite Bekan­ntschaft, als er ein Deutsch­land­fäh­nchen auf seinem Ses­sel drapierte und seine „tiefe Liebe“ zu Deutsch­land bekan­nte.48 Höcke pflegt seit Jahren beste Verbindun­gen zur soge­nan­nten „Neuen Recht­en“ und hat dies­bezüglich in der AfD eine wichtige Rolle über­nom­men.49

Höck­es Rede am „Insti­tut für Staat­spoli­tik“ des Neurecht­en Götz Kubitschek ist nur ein Beispiel sein­er men­schen­ver­ach­t­en­den Überzeu­gun­gen: Die Men­schen in Afri­ka hät­ten sich evo­lu­tions­be­d­ingt zu einem „lebens­be­ja­hen­den afrikanis­chen Aus­bre­itungstyp“ entwick­elt. Höck­es ras­sis­tis­ches Faz­it: „Solange wir bere­it sind, diesen Bevölkerungsüber­schuss aufzunehmen, wird sich am Repro­duk­tionsver­hal­ten der Afrikan­er nichts ändern.“50 Dazu der Berlin­er Poli­tologe Hajo Funke: „Das ist unter­ste Schublade eines Ras­sis­mus, wie wir es aus dem Nation­al­sozial­is­mus ken­nen.“51 Ganz anders sieht das der saar­ländis­che Lan­desvize Lutz Heck­er: Er attestierte Höcke in Wider­spruch zum Vor­wurf des Ras­sis­mus, dass er „her­vor­ra­gende Arbeit“ leiste.52

Björn Höcke hat außer­dem – wie auch der saar­ländis­che Lan­desver­band – enge Verbindun­gen zur NPD: Höcke pflegt eine lange per­sön­liche Bekan­ntschaft mit dem mil­i­tan­ten und mehrfach vorbe­straften Neon­azi Thorsten Heise. Nach Recherchen des Sozi­olo­gen Andreas Kem­per hat Höcke unter dem Pseu­do­nym „Lan­dolf Ladig“ drei Artikel in von Heise her­aus­gegebe­nen NPD-Blät­tern veröf­fentlicht.53 Auch Höcke leugnet seine Kon­tak­te zu Vertretern der extremen Recht­en – Wie Josef Dörr im Saar­land hat er es jedoch unter­lassen, rechtlich gegen solche Behaup­tun­gen vorzuge­hen oder eine entsprechende eidesstat­tliche Ver­sicherung abzugeben. In ein­er umfan­gre­ichen Analyse weißt Kem­per Björn Höcke eine faschis­tis­che Ide­olo­gie nach.54

Die soge­nan­nte „Patri­o­tis­che Plat­tform“, Zusam­men­schluss extrem rechter, nation­al­is­tis­ch­er Kräfte inner­halb der AfD, springt dem saar­ländis­chen Lan­desver­band eben­falls zur Seite. Man nimmt „mit Freude und Erle­ichterung die Entschei­dung des Bun­dess­chieds­gerichts zur Ken­nt­nis“ und rech­net „auch in der Haupt­sache mit einem Erfolg“ der „Parteifre­unde aus dem Saar­land“.55 Vor­standsmit­glied der „Patri­o­tis­chen Plat­tform“ ist Dubravko Mandic aus Freiburg, der auf Face­book deut­lich machte, wo er sich und die Seinen poli­tisch verortet: „Von der NPD unter­schei­den wir uns vornehm­lich durch unser bürg­er­lich­es Unter­stützer-Umfeld, nicht so sehr durch Inhalte.“56

Im Sep­tem­ber 2015 hielt die Europaab­ge­ord­nete Beat­rix von Storch in Saar­brück­en einen Vor­trag zum The­ma „Gen­der Main­stream“, was ihrer wirren Überzeu­gung nach „eine poli­tis­che Geschlecht­sumwand­lung“ sei.57 Im Saar­brück­er Hotel Lei­dinger het­zte sie aus­gerech­net auf Ein­ladung des „schwulen Poli­tik­ers“58 Mirko Welsch in gewohn­ter Manier gegen alles, was ihrem christlich-fun­da­men­tal­is­tis­chen Welt­bild wider­spricht. Zu von Storchs reak­tionär­er Agen­da zählt der Kampf gegen eine ange­bliche „Früh­sex­u­al­isierung“, die gle­ichgeschlechtliche Ehe, das Recht der Frau auf Schwanger­schaftsab­bruch eben­so wie die Ster­be­hil­fe. Auch Kon­dome sind in den Augen von Storchs Teufel­szeug, stattdessen solle man sich vor unge­woll­ter Schwanger­schaft oder sex­uell über­trag­baren Krankheit­en durch Enthalt­samkeit schützen – fin­steres Mit­te­lal­ter im 21. Jahrhun­dert.59 Ihre Men­schen­ver­ach­tung machte Beat­rix von Storch Anfang 2016 mehr als deut­lich: Sie forderte, dass die Polizei an der Gren­ze auf Geflüchtete schießen solle, da diese Angreifer seien. Auf die Nach­frage eines Nutzers, ob sie und die AfD „etwa Frauen mit Kindern an der grü­nen Wiese den Zutritt mit Waf­fenge­walt“ ver­wehren wolle, antwortete von Storch so kurz wie ein­deutig: „Ja.“60 Auch die Bun­desvor­sitzende der AfD, Frauke Petry, hat­te bere­its den Ein­satz von Schuss­waf­fen gegen Geflüchtete propagiert.61

Die ganze Heuchelei der AfD wird deut­lich, wenn man sieht, wie die Saar-AfD den ach so stren­gen Moralvorstel­lun­gen ein­er Beat­rix von Storch ihre ganz eigene Art von Willkom­men­skul­tur ent­ge­gen stellt – und zwar für Pros­ti­tu­ierte aus Osteu­ropa. Rüdi­ger Kles­mann, Kreisvor­sitzen­der aus St. Wen­del, ver­suchte auf ein­er Pressekon­ferenz den Journalisten_innen darzule­gen, dass er über­haupt kein Recht­sex­trem­ist sein könne, da in seinem Betrieb „über 60% Aus­län­der“ arbeit­eten. Dass es sich bei den „Aus­län­dern“ um Pros­ti­tu­ierte han­delt, die für Kles­mann in einem Neunkircher Bor­dell aus­ge­beutet wer­den, ver­schwieg er geflissentlich.62

Der Landesparteitag am 17. April: Querelen und Tumulte

Bere­its die ersten Worte Josef Dörrs auf dem Lan­desparteitag in der Kul­turhalle in Völk­lin­gen-Wehrden ließen an seinem Ver­stand zweifeln: Im Gegen­satz zur „Elite der Muti­gen“ im Saal han­dele es sich bei den 13 Sage­Sa-Aktivist_in­nen, die sich vor der Tür zu ein­er ihrer „Mah­nwachen“ auf­stell­ten, um „staatlich finanzierte Gegen­demon­stran­ten“, so Dörr. Dass es sich bei dem Haufen um genau diejeni­gen Vertreter_innen der extremen Recht­en han­delte, mit denen Dörr noch vor Wochen Kon­takt hat­te, darunter Sascha Wag­n­er und Ulrike Rein­hardt, erwäh­nte Dörr lieber nicht.

Zu Beginn ver­suchte der vom Bun­desvor­stand entsandte Dirk Driesang, die Vor­würfe gegen Dörr und Heck­er zu the­ma­tisieren, wurde jedoch mehrmals von Heck­er und Geschrei von Delegierten unter­brochen. Driesang bezichtigte Dörr und vor allem Heck­er der mehrfachen Lüge und wurde schließlich durch einen Geschäft­sor­d­nungsantrag zum Abbruch sein­er Rede genötigt. Dörr beze­ich­nete in sein­er Rede die Entschei­dung des Schieds­gerichts als „klatschende Nieder­lage für den Bun­desvor­stand“. Als Dirk Driesang später aber­mals Dörr und Heck­er vorhielt, gegenüber Bun­desvor­stand und Schieds­gericht gel­o­gen zu haben, meldete sich Moni­ka Müller, Ehe­frau von Press­esprech­er Rolf Müller, zu Wort, nicht etwa, um Kri­tik an den Vorgän­gen im Lan­desvor­stand zu üben, son­dern um die Frage an Driesang zu stellen, wie er sich erk­lären könne, dass der Bericht des Bun­desvor­stands an den „Stern“ gelangt war. Der im Rah­men der Affäre von allen Parteiämtern zurück­ge­tretene ehe­ma­lige Lan­des­geschäfts­führer Oliv­er Vieweg warf der Parteispitze eben­falls Lügen vor und warnte mit ein­er erstaunlichen Begrün­dung vor ein­er Annäherung an die NPD: „Die sind Sozial­is­ten, wir sind Bürg­er­liche.“63

Im weit­eren Ver­lauf des Parteitages ver­weigerte sich der Lan­desvor­sitzende Dörr jed­er Aussprache zu den gegen ihn und seine Clique erhobe­nen Vor­wür­fen: „Ich will mich dazu über­haupt nicht mehr äußern.“ Stattdessen ließ Dörr die Delegierten darüber abstim­men, „ob Sie mich mögen oder ob Sie mich nicht mögen“. Bei acht Gegen­stim­men und ein­er Enthal­tung erhielt Dörr eine klare Mehrheit. Der Co-Vor­sitzende Lutz Heck­er ver­suchte, jede Kri­tik an sein­er Per­son und den Kon­tak­ten unter anderem zu NPD-Chef Peter Marx und zur extrem recht­en Split­ter­partei FBU mit Ausre­den und Gejam­mer zu kon­tern, er ste­he für die Partei schließlich jeden Mor­gen um 6:15 Uhr auf. Auch er ließ sich anschließend von den Delegierten das Ver­trauen bescheini­gen.64

Dass inner­halb des Lan­desvor­standes dur­chaus ein Bruch ver­läuft, ist zum Beispiel daran zu erken­nen, dass der stel­lvertre­tende Vor­sitzende und kom­mis­sarische Lan­des­geschäfts­führer Michael Schet­tle schon gar nicht anwe­send war und sich „für die Geschehnisse auf dem Parteitag abgrundtief schämte“ sowie seinen Rück­tritt verkün­dete.65 Auf Betreiben von Dörr wurde ihm auf dem Parteitag durch die Delegierten prompt das Mis­strauen aus­ge­sprochen. Als neuer Lan­des­geschäfts­führer wurde sogle­ich Dieter Müller gewählt, über den kurz zuvor noch berichtet wurde, dass er 2014 über eine Koop­er­a­tion der AfD mit der NPD nachgedacht habe.66

Der Wahnsinn des Mirko Welsch

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Mirko Welsch mit Jaque­line Süß­dorf (NPD)

Einen für seine Ver­hält­nisse eher beschei­de­nen Auftritt hat­te Mirko Welsch auf dem Lan­desparteitag. Der exzen­trische AfD-Bezirksvor­sitzende aus Dud­weil­er ver­suchte sich 2012 bere­its als Bun­des­geschäfts­führer und Gen­er­alsekretär am Auf­bau der recht­skon­ser­v­a­tiv­en „Bürg­er­lich Demokratis­chen Partei“ (BDP). Er ist Vor­sitzen­der ein­er soge­nan­nten „Bun­desin­ter­es­sen­ge­mein­schaft (BIG) Homo­sex­uelle in der AfD“, was ihn jedoch nicht davon abhält, in sozialen Medi­en an die „links­grü­nen Krawallschwest­ern“ gerichtet klar zu stellen, dass er „zwar inzwis­chen ein schwuler Poli­tik­er“ sei, jedoch nie ein „Schwu­len­poli­tik­er“ sein werde.67 Über­haupt ist die Beschimp­fung Ander­s­denk­ender über soziale Medi­en eine der Lieblings­beschäf­ti­gun­gen Welschs: Mal schämt er sich für „links­grüne, schwule­Wort­führer“68, mal lässt er die Welt an seinen wirren Gedanken Teil haben, wenn er behauptet, „Antifaschis­ten sind die neuen Faschos“.69

Auf dem Lan­desparteitag ver­suchte sich Welsch in der Rolle des Demokrat­en und Kämpfers gegen Rechts – ein wenig glaub­würdi­ges Unter­fan­gen, sind Welschs Kon­tak­te zur lokalen NPD-Größe Jacque­line Süß­dorf doch durch ein ein­deutiges Foto allzu evi­dent, auf dem die bei­den küssend zu sehen sind. Nach der laut­en Ankündi­gung, gegen Dörr um den Lan­desvor­sitz kan­di­dieren zu wollen,70 blieb Welsch auf dem Parteitag weit­ge­hend stumm.

Bundesparteitag beschließt Auflösung des Saar-Landesverbands

Im Vor­feld des Bun­desparteitages wurde von Seit­en des Bun­desvor­standes dem saar­ländis­chen Lan­desvor­stand ein Kom­pro­missvorschlag unter­bre­it­et, nach­dem der Vor­sitzende Dörr und sein Stel­lvertreter Heck­er ein­er drei­jähri­gen Ämtersperre zus­tim­men und bei der kom­menden Land­tagswahl auf eine Kan­di­datur verzicht­en soll­ten.71 Dieser wurde jedoch von den saar­ländis­chen Vertreter_innen abgelehnt.72

Zum Bun­desparteitag am 29. und 30. April 2016 reis­ten aus dem Saar­land gle­ich 37 AfD-Mit­glieder an, darunter der stel­lvertre­tende Lan­desvor­sitzende Lutz Heck­er, die Fam­i­lie Müller mit Rolf, Ehe­frau Moni­ka und Sohn Markus Müller sowie Marc Tec­quert (Burschen­schaft Ger­ma­nia), Dr. Rein­hard Latza und Felix Wey­er, bei­de Mit­glieder der extrem recht­en Burschen­schaft „Ghi­bellinia zu Prag in Saar­brück­en“.

Von Seit­en der Saar-Vertreter_in­nen wurde bis zur let­zten Minute ver­sucht, die Abstim­mung über die Auflö­sung des Lan­desver­bands zu ver­hin­dern. Auf Flug­blät­tern wurde der Bun­despartei „Mob­bing gegen Missliebige“ vorge­wor­fen und die Mit­glieder aufge­fordert, eine Abstim­mung über den Saar-Lan­desver­band zu ver­hin­dern. Nichts desto trotz stimmten 52 Prozent für die Auflö­sung des saar­ländis­chen Lan­desver­bands.73 Die äußer­ste Knappe Mehrheit zeigt, dass offen­sichtlich die andere Hälfte der Parteim­it­glieder mit den Umtrieben von Dörr und Co. kein Prob­lem zu haben scheint. Die let­z­tendliche Entschei­dung liegt damit nun wieder beim von der extremen Recht­en dominierten Schieds­gericht, welch­es am 9. bzw. 10. Juli 2016 voraus­sichtlich entschei­den wird.74

Saar-AfD: Wohlige Heimat für Geschichtsrevisionisten

Brief_HJ_Klein_AfD_Heusweiler_Riegelsberg

Offen­er Brief von HJ Klein im Rah­men der Auseinan­der­set­zung um das geplante Wehrma­chts­denkmal in Riegels­berg

Eine inter­es­sante Wort­mel­dung75 auf dem Lan­desparteitag in Wehrden kam von dem aus Heusweil­er stam­menden AfD-Mit­glied Hans-Joachim Klein76, nicht etwa wegen des Inhalts, viel mehr wegen sein­er Per­son: Klein ist Vor­sitzen­der des „Heimatkundlichen Vere­in Köller­tal e.V.“77 und hat­te an die „Ini­tia­tiv­gruppe Hin­den­burgturm“ um Diet­mar Braun für die Errich­tung eines geschicht­sre­vi­sion­is­tis­chen Denkmals für gefal­l­ene Wehrma­chts- und SS-Ange­hörige in Riegels­berg78 gespendet. Als auf­grund des öffentlichen Protests und antifaschis­tis­chen Wider­stands gegen die Ver­wirk­lichung des Denkmals der Ini­tia­tor Braun die Spenden zurück­zahlte, da er den Wider­stand offen­bar für zu groß ansah79, empörte sich Hans-Joachim Klein in einem wirren Brief an Presse und Gemeinde Riegels­berg, dass „aus­gerech­net diejeni­gen, die Mörder und Verge­waltiger als Befreier feiern“ sich anmaßten, „über die zu richt­en, die in das Geschehen gezwun­gen wur­den“. Klein äußerte weit­er, dass es „beson­ders bösar­tig“ sei, „ständig zu wieder­holen, dass unter ihnen auch ‘SS-Leute’ seien.“ Schließlich sei die Waf­fen-SS eine „mil­itärische Elite-Ein­heit, wie sie es auch in anderen Staat­en gab“, gewe­sen. Geschicht­sre­vi­sion­is­ten wie HJ Klein, die den Nation­al­sozial­is­mus ver­her­rlichen und die bar­barische SS als gewöhn­liche „Elite-Ein­heit“ beze­ich­nen, fühlen sich und ihre poli­tis­chen Überzeu­gun­gen in der AfD offen­bar gut aufge­hoben.

Der AfD die Räume nehmen

Neben regelmäßi­gen Sitzun­gen in den Räum­lichkeit­en der in der Nähe der Jus­tizvol­lzugsanstalt Lerch­es­flur weit ab vom Zen­trum gele­ge­nen Lan­des­geschäftsstelle find­en auch des öfteren Ver­anstal­tun­gen bevorzugt in Gast­stät­ten statt. So fand am 7. Mai 2015 eine „Podi­ums­diskus­sion“ mit Frauke Petry eben­so wie diverse „Stammtis­che“ der AfD im sich gerne alter­na­tiv und weltof­fen geben­den „Kul­tur­bistro Malzeit“ (Saar­brück­en, Schei­dter Straße) statt. Am 10. Sep­tem­ber 2015 durfte Beat­rix von Storch im Hotel Lei­dinger (Saar­brück­en, Mainz­er Straße) gegen alles het­zen, was ihrer mit­te­lal­ter­lichen Weltan­schau­ung wider­spricht. Im „Stiefel­bräu“ der Brauerei Bruch (Saar­brück­en, St. Johan­ner Markt) fan­den auf Ein­ladung von Rolf Müller eben­falls „Bürg­er­stammtis­che“ statt. In Dud­weil­er konzen­tri­eren sich die Ver­anstal­tun­gen der AfD auf die „Gasthaus­brauerei Sud­haus“, wo gle­ich über ein Dutzend AfD-Run­den eine Heimat fan­den.

Eine geplante Ver­anstal­tung im Saar­brück­er „Ratskeller“ am 9. März 2016 musste wieder abge­sagt wer­den, nach­dem die Inhab­er von Antifaschist_innen aufge­fordert wor­den waren, der AfD keine Räume für ihre men­schen­ver­ach­t­ende Het­ze zu Ver­fü­gung zu stellen80 und diese daraufhin kurzfristig die Reservierung des Raumes gekündigt hat­ten.

Die Kündi­gung des „Ratskellers“ scheint nicht das einzige Raumprob­lem für die AfD darzustellen: Josef Dörr musste auf ein­er Pressekon­ferenz im Restau­rant „Istan­bul“ (Dud­weil­er Straße) wehk­la­gend eingeste­hen, dass es ihm und den Seinen immer schw­er­er fällt, Räum­lichkeit­en für Ver­anstal­tun­gen zu find­en. Der Inhab­er des „Istan­bul“ räumte ein, der AfD die Räume zu Ver­fü­gung gestellt zu haben, da er Mieter sei und das Gebäude AfD Press­esprech­er Rolf Müller gehöre.81

Die AfD ist eine Bedrohung. Für uns alle.

Kon­tak­te der Saar-AfD zur extrem recht­en Szene kon­nten den Parteiver­ant­wortlichen klar nachgewiesen wer­den. Kon­se­quen­zen aus diesen skan­dalösen Umtrieben waren die Delegierten des Lan­desparteitages nicht Wil­lens zu ziehen – mit gutem Grund: Eine Zusam­me­nar­beit der AfD mit den Parteien und Organ­i­sa­tio­nen des recht­en Ran­des ist nur kon­se­quent.

Es bedarf nicht des Nach­weis­es irgendwelch­er Kon­tak­te mit der extremen Recht­en, um große Teile der AfD genau hier zu verorten: näm­lich extrem rechts. Und hier­von ist die Saar-AfD mit­nicht­en ausgenom­men, im Gegen­teil: Sie gehört spätestens seit dem Lan­desparteitag in Wehrden zu den her­vorstechen­den extrem recht­en Lan­desver­bän­den der AfD, gemein­sam mit Thürin­gen, Bran­den­burg und Sach­sen-Anhalt. In der AfD haben Vertreter_innen der extremen Recht­en längst das Steuer über­nom­men: Ob Björn Höcke mit seinem Ras­sis­mus und völkischen Nation­al­is­mus82, ob Alexan­der Gauland, der auch mal gerne in anti­semi­tis­ch­er Manier über Israel als „Fremd­kör­p­er“ philoso­phiert,83 ob Beat­rix von Storch oder Frauke Petry mit ihrem Plan, auf geflüchtete Frauen und Kinder schießen zu lassen84 – Die Liste ließe sich beliebig fort­set­zen und sprengte jeden Rah­men.

Spätestens seit der Spal­tung der AfD Mitte 2015 ist ein offen extrem rechter Kurs der Partei nicht mehr zu leug­nen, der geprägt ist von Het­ze gegen Ander­s­denk­ende und alles als fremd Emp­fun­dene, von völkischem Nation­al­is­mus und von anti­mod­er­nen Ressen­ti­ments mit einem reak­tionären Frauen- und Fam­i­lien­bild.

Je mehr Wahlkämpfe die AfD mit ihrer men­schen­ver­ach­t­en­den Rhetorik gewin­nt, desto mehr wird sie den öffentlichen Diskurs prä­gen und diesen weit­er nach rechts außen ver­schieben. Während die Große Koali­tion und die Grü­nen Geset­ze und in Folge dessen das Leid der Geflüchteten noch weit­er ver­schär­fen, set­zen die AfD und ihre Anhänger_innen stets mit noch men­schen­ver­ach­t­en­deren Forderun­gen nach. Die AfD betätigt sich als geistige Brand­s­tifterin und ist mit ihrer ras­sis­tis­chen Rhetorik für den recht­en Ter­ror mit zahlre­ichen Anschlä­gen auf Asy­lun­terkün­fte und Geflüchtete mitver­ant­wortlich. Es gilt, die AfD und ihre Protagonist_innen als das zu erken­nen, zu benen­nen und schließlich zu bekämpfen, was sie sind: Brandstifter_innen in Nadel­streifen, Wortführer_innen des Mobs und Wegbereiter_innen der Pogrome von mor­gen.

1Andreas Kem­per: »… die neu­ro­tis­che Phase über­winden, in der wir uns seit siebzig Jahren befind­en«. Die Dif­ferenz von Kon­ser­v­a­tivis­mus und Faschis­mus am Beispiel der »his­torischen Mis­sion« Björn Höck­es (AfD). Nachzule­sen:
http://www.th.rosalux.de/fileadmin/ls_thueringen/dokumente/publikationen/RLS-HeftMissionHoecke-Feb16.pdf

2http://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/saarbruecken/saarbruecken/saarbruecken/Saarbruecken-Landtagswahlen-Parteivorsitzende;art446398,6183379
3http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/saarland-npd-vorsitzender-lobt-afd-14145272.html
4www.sr.de/sr/home/nachrichten/politik_wirtschaft/afd_saarland_wieder_im_amt100.html5http://www.sueddeutsche.de/politik/bundesnachrichtendienst-wechsel-an-der-bnd-spitze-bestaetigt-1.2969115
6Wig­bert Löer in „Stern“ 11/2016, Seite 107: Die AfD und die Neon­azis.
7www.stern.de/politik/deutschland/afd-saar-liveblog-zum-landesparteitag-6798002.html
8http://www.stern.de/politik/ausland/saar–afd–bruellen–beleidigen–makabre-vergleiche-im-landesverband-6790964.html
9http://www.saarbruecker-zeitung.de/aktuell/lokalnews/Brandkatastrophen-Freunde-Geschichte-Landesparteitage-Reden-Volksparteien;art27857,5732326
10http://www.saarbruecker-zeitung.de/politik/themen/Saarbruecken-Brandkatastrophen-Euro-Kritiker-Parteivorsitzende;art2825,5751859
11http://www.saarbruecker-zeitung.de/aktuell/lokalnews/Brandkatastrophen-Freunde-Geschichte-Landesparteitage-Reden-Volksparteien;art27857,5732326
12Meschnig, Alexan­der. Der Wille zur Bewe­gung: Mil­itärisch­er Traum und total­itäres Pro­gramm. Eine Men­tal­itäts­geschichte vom Ersten Weltkrieg zum Nation­al­sozial­is­mus. Vol. 1. tran­script Ver­lag, 2015.
13Goebbels, Joseph. Kampf um Berlin: Der Anfang. 1934.
14http://www.saarbruecker-zeitung.de/aktuell/lokalnews/Brandkatastrophen-Freunde-Geschichte-Landesparteitage-Reden-Volksparteien;art27857,5732326
15https://www.youtube.com/watch?v=PbJN6kZsswg
16Wig­bert Löer in „Stern“ 11/2016, Seite 107: Die AfD und die Neon­azis.
17https://antifa-saar.org/2016/03/03/sagesa/
18Wig­bert Löer in „Stern“ 11/2016, Seite 107: Die AfD und die Neon­azis. sowie
http://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/saarbruecken/saarbruecken/saarbruecken/Saarbruecken-Holocaust-Leugner-Landtagswahlen-Volksparteien;art446398,6082583
19Daniel Kirch: Ein „schlechter Witz“ der AfD. Saar­brück­er Zeitung Nr. 59, 10.03.2016.
20www.stern.de/politik/deutschland/afd-saar–liveblog-zum-landesparteitag-6798002.html
21http://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/saarbruecken/saarbruecken/saarbruecken/Deutsche-Kunst-und-Kultur-Gegendemonstrationen-Landtage-der-deutschen-Bundeslaender-Rechtspopulistische-Parteien;art446398,5954859
22https://antifa-saar.org/2015/11/22/saarbruecken-afd-kundgebung-mit-nazis/
23www.stern.de/investigativ/afd–mut-zur-unwahrheit-6836020.html
24http://www.stern.de/politik/ausland/saar-afd–bruellen–beleidigen–makabre-vergleiche-im-landesverband-6790964.html
25Wig­bert Löer in „Stern“ 11/2016, Seite 107: Die AfD und die Neon­azis.
26http://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/saarbruecken/saarbruecken/saarbruecken/Saarbruecken-Auslaenderhass-Landtagswahlen-Parteivorsitzende-Wahlkampf;art446398,6089286
27http://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/saarbruecken/saarbruecken/saarbruecken/Saarbruecken-Krisen-Landesverbaende-Massnahmen-Rechtsextremisten;art446398,6090407
28http://www.sr.de/sr/home/nachrichten/politik_wirtschaft/afd_doerr_wieder_im_amt100.html29AfD-Vor­stand will zurück­treten und sich direkt wieder wählen lassen; Saar­brück­er Zeitung Nr. 66, 18.03.2016.
30www.sr.de/sr/home/nachrichten/politik_wirtschaft/afd_landesverband_aufgeloest100~_print-1.html
31http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/saarland-npd-vorsitzender-lobt-afd-14145272.html
32Der Spiegel 19/2016.
33http://www.stern.de/investigativ/afd–ex-landeschef-im-saarland-soll-partei-verlassen—naehe-zu-rechtsextremisten-6769432.html
34https://www.vice.com/de/read/die-afd-einzelfaelle-der-woche-ein-rechter-burschenschaftler-und-ein-neonazi-sympahtisant-274
35https://antifa-saar.org/2016/03/31/afd-macht-bock-zum-gaertner-kommissarischer-vertreter-ist-mitglied-in-rechter-burschenschaft/
36https://antifa-saar.org/2014/03/11/germania-ghibellinia-im-jahr-2014/
37https://antifa-saar.org/2012/12/11/80/
38http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/forschung-und-finanzen-die-merkwuerdigen-mittelchen-des-charite-professors-kiesewetter-a-615211.html
39antifa-saar.org/images/flyer_Ghibellinia2011.pdf
40http://www.fr-online.de/die-neue-rechte/am-rechten-rand-eine-burschenschaft-und-ihre-spitzenpolitiker,10834438,10887356.html
41https://antifa-saar.org/2012/12/11/80/
42http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014–03/afd-burschenschaften-lucke
43www.sr.de/sr/home/nachrichten/politik_wirtschaft/afd_saarland_wieder_im_amt100.html44http://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/saarbruecken/saarbruecken/saarbruecken/Saarbruecken-Landesverbaende-Rechtsextremisten;art446398,6117080
45http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016–04/saarland-afd-landesverband-rechtsextremismus-partei-schiedsgericht
46http://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/offener-rassismus-100.html
47http://www.stern.de/investigativ/afd–frauke-petry-kassiert-rueckschlag-6787838.html
48http://www.taz.de/!5250115/
49www.antifainfoblatt.de/artikel/die-afd-nach-der-wahl
50http://www.sueddeutsche.de/politik/afd-thueringen-blanker-rassismus-hoecke-und-die-fortpflanzung-der-afrikaner-1.2780159
51http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015–12/afd-hoecke-bundesvorstand-petry
52http://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/saarbruecken/saarbruecken/saarbruecken/Saarbruecken-Afrikanische-Persoenlichkeiten-Fluechtlinge;art446398,6012630
53www.taz.de/Thueringens-AfD-Chef-Bjoern-Hoecke/!5250115/
54
Andreas Kem­per: »… die neu­ro­tis­che Phase über­winden, in der wir uns seit siebzig Jahren befind­en«. Die Dif­ferenz von Kon­ser­v­a­tivis­mus und Faschis­mus am Beispiel der »his­torischen Mis­sion« Björn Höck­es (AfD). Nachzule­sen:

http://www.th.rosalux.de/fileadmin/ls_thueringen/dokumente/publikationen/RLS-HeftMissionHoecke-Feb16.pdf
55http://patriotische-plattform.de/blog/2016/04/13/patriotische-plattform-begruesst-entscheidung-des-afd-bundesschiedsgerichts-in-sachen-aufloesung-lv-saarland/
56http://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/offener-rassismus-100.html
57Mer­lind Theile: Wer braucht diese “Zwis­chendinger”? in: DIE ZEIT Nr. 10/2015, 5. März 2015.
58Welsch über Welsch; https://www.facebook.com/mirko.welsch/posts/1099515730070204
59http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/beatrix-von-storch-ist-bei-afd-ganz-vorne-dabei-13764053.html
60http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/beatrix-von-storch-afd-vizechefin-will-polizei-sogar-auf-kinder-schiessen-lassen-14044186.html
61„Sie kön­nen es nicht lassen!“ in: Mannheimer Mor­gen vom 31.01.2016.

Nachzule­sen: http://www.morgenweb.de/sie-konnen-es-nicht-lassen-1.2620328
62www.stern.de/investigativ/saar-afd–das-bordell-und-die-afd-6831690.html
63www.faz.net/aktuell/politik/saar-afd-parteitag-mit-josef-doerr-haelt-gegen-bundes-afd-14183719.html
64http://www.stern.de/politik/deutschland/afd-saar–liveblog-zum-landesparteitag-6798002.html
65Dörr muss in der Saar-AfD keinen fürcht­en; Saar­brück­er Zeitung Nr. 90, 18.04.2016, Seite A3.
66http://www.stern.de/politik/deutschland/afd-saar–liveblog-zum-landesparteitag-6798002.html
67https://www.facebook.com/mirko.welsch/posts/1099515730070204
68https://www.facebook.com/1490981311156762/photos/pb.1490981311156762.–2207520000.1449347711./1652965744958317/?type=3&source=54&ref=bookmarks
69https://twitter.com/BIGHomosAfD/status/669701996514013184
70www.sr.de/sr/home/nachrichten/politik_wirtschaft/kampfabstimmung_afd100.html71www.sr.de/sr/home/nachrichten/politik_wirtschaft/afd_verhandelt_vergleich100.html72www.sr.de/sr/home/nachrichten/politik_wirtschaft/AfD_Doerr_Hecker_100.html73http://www.saarbruecker-zeitung.de/politik/themen/Stuttgart-Landesverbaende-Parteitage;art2825,6134976
74http://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/saarbruecken/saarbruecken/saarbruecken/Saarbruecken-Landtagswahlen-Parteivorsitzende;art446398,6183379
75http://www.stern.de/politik/deutschland/afd-saar–liveblog-zum-landesparteitag-6798002.html
76http://www.heusweiler.de/fileadmin/user_upload/PDFs/wahlen/Wahlbekanntmachung_Wahlvorschlaege.pdf
77http://www.heimatkunde-koellertal.de/
78https://antifa-saar.org/kein-wehrmachtsdenkmal-in-riegelsberg/
79https://antifa-saar.org/2016/02/04/antifa-saar-haelt-an-demonstration-fest-initiativgruppe-zieht-sich-aus-planung-fuer-wehrmachtsdenkmal-in-riegelsberg-zurueck/
80https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=579143078916182&id=456271827869975&substory_index=0
81http://www.heute.de/rechte-kontakte-der-saar-afd-parteitag-will-ueber-aufloesung-abstimmen-43310554.html
82www.antifainfoblatt.de/artikel/die-afd-nach-der-wahl
83Jaeck­er, Tobias. Hass, Neid, Wahn: Anti­amerikanis­mus in den deutschen Medi­en. Cam­pus Ver­lag, 2014, Seite 40.
84http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/beatrix-von-storch-afd-vizechefin-will-polizei-sogar-auf-kinder-schiessen-lassen-14044186.html

http://www.morgenweb.de/sie-konnen-es-nicht-lassen-1.2620328