Szene auf dem Höhepunkt? – Rechte Aktivitäten im März 2015

NPD-Landesvorsitzender Peter Marx mit SaGeSa-Aktivisten

NPD-Lan­desvor­sitzen­der Peter Marx (drit­ter von links) mit SaGe­Sa-Aktivis­ten

Im März fan­den zahlre­iche Ver­anstal­tun­gen der extremen Recht­en von NPD bis zu Kam­er­ad­schaften im Saar­land statt. Auf den ersten Blick kön­nte man deshalb annehmen, dass die rechte Szene deut­lich erstarkt ist. Dies ist zumin­d­est teil­weise der Fall, denn so viele öffentliche Aktio­nen fan­den seit Jahren nicht statt. Allerd­ings trügt der Schein, denn bei näherem Hin­se­hen wird deut­lich, dass die Tak­tiken der Nazis vielfach nicht aufge­gan­gen sind. Der Ver­such bre­ite Teile der saar­ländis­chen Nazi-Hooli­gan­szene hin­ter „SaGe­Sa“ zu schar­ren, scheit­erte schon im let­zten Jahr an Stre­it­igkeit­en rund um die Rolle der NPD bei „SaGe­Sa“. Die Ver­suche der NPD Saar über „SaGe­Sa“ an den Aktio­nen von „SaarGI­DA“ teilzunehmen scheit­erten eben­falls.

Stattdessen entwick­elt sich „SaGe­Sa“ immer stärk­er zu einem, unat­trak­tiv­en, von der NPD dominierten, Sam­mel­beck­en von Kam­er­ad­schaft­snazis und solchen die es wer­den sollen. Fast alle öffentlichen Aktio­nen, die die saar­ländis­chen Naziszene im Monat März durch­führt, sind Klein­ver­anstal­tun­gen mit Teil­nehmerzahlen im unteren zweis­tel­li­gen oder gar ein­stel­li­gen Bere­ich. Dies gilt ins­beson­dere für die Aufmärsche der Stur­m­di­vi­sion Saar, aber auch bei den Aktio­nen von „SaGe­Sa“ sinken die Teil­nehmerzahlen merk­lich. Außer­dem wird deut­lich, dass die saar­ländis­che Naziszene nach wie vor eine äußerst dünne Per­son­aldecke aufweist und kaum über fähige Kad­er ver­fügt. Dass die NPD Saar auf Sascha Wag­n­er angewiesen ist, dem von erhe­blichen Teilen der bun­desweit­en Naziszene Bere­icherung an der Partei vorge­wor­fen wird und der sich wegen der Mis­shand­lung sein­er Töchter vor Gericht ver­ant­worten muss, verdeut­licht dies. Dank der Affäre rund um Sascha Wag­n­er ist die NPD im Süd-West­en tief ges­pal­ten und auch ein Teil der saar­ländis­chen Kam­er­ad­schaft­szene unter­stützt die NPD Saar und Sascha Wag­n­er nicht vor­be­halt­los. Nicht zulet­zt wegen einem, von Akteuren der NPD Westp­falz ini­ti­ierten, NPD-inter­nen Schiedsver­fahren kön­nte die Belas­tung durch Sascha Wag­n­er für die saar­ländis­che NPD noch größer wer­den.

Braune Schmusebären? -  "Geschäftsfrau" Jacqueline "Jacky" Süßdorf und Kinderschläger Sascha Wagner

Braune NPD-Schmuse­bären? — Jacque­line “Jacky” Süß­dorf und Kinder­schläger Sascha Wag­n­er

Auch für die Vorzeige-“Geschäftsfrau“ der NPD, Jacque­line Süß­dorf, läuft das Jahr 2015 schlechter als von ihr geplant. Nach­dem sie im let­zten Jahr damit gescheit­ert war ein Gas­troschiff am Staat­sthe­ater zu übernehmen, hat­te sie großspurig verkün­det vier neue Gast­stät­ten zu eröff­nen. Von den bei­den zwis­chen­zeitlich in Bur­bach und Güdin­gen eröffneten Kneipen („Jacky’s“), existiert seit Anfang März nur noch eine in Bur­bach.

Aus antifaschis­tis­ch­er Sicht gilt es die Aktiv­itäten der Naziszene weit­er­hin kri­tisch zu beobacht­en und den öffentlichen Druck auf die weni­gen aktiv­en Per­so­n­en zu erhöhen. Diese Über­sicht liefert dazu einen weit­eren Beitrag:

  • Bere­its am Mon­tag, den 2. März, marschiert die NPD-Vor­fel­dor­gan­i­sa­tion „SaGe­Sa“ mit etwa 60 Nazis durch Sulzbach.
  • Am Don­ner­stag, den 5. März, find­et der „poli­tis­che Gespräch­skreis“ der NPD Saar-Pfalz in einem Restau­rant in Bexbach statt. Es sprechen Ste­fan Lux (stel­lv. Lan­desvor­sitzen­der und Geschäfts­führer der NPD Berlin) und Detlef Paulus (1. Vor­sitzen­der der „Deutschen Volks­gew­erkschaft“) zum The­ma „Der völk­er­rechtliche Sta­tus von Deutsch­land“.
  • Am Fre­itag, den 6. März, find­et eine Schu­lungsver­anstal­tung der NPD bzw. „SaGe­Sa“ zum The­ma „Ver­hal­ten vor Polizei, Jus­tiz und Geheim­di­en­ste“ in Bur­bach statt. Als Ref­er­ent tritt erneut Ste­fan Lux auf.
  • Am Sam­stag, den 7. März find­en gle­ich zwei Aktio­nen statt. Zunächst ver­anstal­tet der „Nationale Wider­stand Zweibrück­en“ mit Unter­stützung der „Stur­m­di­vi­sion Saar“ eine Kundge­bungs­tour von Zweibrück­en über Blieskas­tel nach Hom­burg an der etwa 10 Nazis teil­nehmen. Am Abend des gle­ichen Tages find­et eine „Führungskräfteschu­lung“ des NPD Kreisver­ban­des Saar-Pfalz statt. Ref­er­ent ist erneut Ste­fan Lux, der über das Parteipro­gramm der NPD informiert.
  • Am Mon­tag, den 9. März, ver­sucht eine Gruppe von etwa 10 Nazis unter dem Label „SaGe­Sa“, ange­führt von Sascha Wag­n­er, einen Work­shop der Stadt mit dem Mot­to „Flüchtlinge in Saar­brück­en – Gemein­sam mehr erre­ichen“ zu stören. Vor Ort beschränken sich die Nazis darauf mit Trans­par­enten vor der Tür zu ste­hen.
  • Am 13. März tritt der Mod­er­a­tor des Naz­ime­di­en­pro­jek­ts „FSN-TV“ Patrick Schröder auf Ein­ladung des saar­ländis­chen Kam­er­ad­schaft­sak­tivis­ten Niko­las Hohen­fels bei ein­er inter­nen Ver­anstal­tun­gen in dessen Woh­nung vor etwa 10 Per­so­n­en auf.

    Patrick Schröder & Nikolas Hohenfels vor einer "Landser"-Fahne

    Patrick Schröder & Niko­las Hohen­fels vor ein­er “Landser”-Fahne

  • 16. März: Ein für Neunkirchen angekündigter „SaGeSa“-Aufmarsch wird kurzfristig „wegen Krankheit“ abge­sagt.

    So dünn ich die Personaldecke - Ausschnitt aus zugespielten Screenshots

    So dünn ist die Per­son­aldecke – Auss­chnitt aus zuge­spiel­ten Screen­shots

  • Am 23. März marschiert „SaGe­Sa“ dann doch noch durch Neunkirchen. Es kom­men etwa 40 Teil­nehmer. Im Nach­gang wird gegen eine Red­ner­in wegen Volksver­het­zung ermit­telt.
  • Für den 28. März kündigt die „Stur­m­di­vi­sion Saar“ einen Auf­marsch in Völk­lin­gen an. Es erscheinen weniger als 10 Nazis.
  • Am Mon­tag, den 30. März marschiert „SaGe­Sa“ mit etwa 40 Anhänger eben­falls in Völk­lin­gen.