Nichts gelernt und nichts vergessen“ – Geschichte und Zukunft des Antizionismus in Deutschland

Vor­trag und Diskus­sion mit Joachim Bruhn (Freiburg), Co-Autor u.a. „Das Konzept Mate­ri­al­is­mus“ der Ini­tia­tive Sozial­is­tis­ches Forum (ça ira-Ver­lag)

Fre­itag, 03. August
19 Uhr
Fut­ter­straße 17–19, Saar­brück­en

Irgend­wann zwis­chen der Wannsee-Kon­ferenz und der Grün­dung Israels ver­liert der Hass auf die Juden jed­wede Geschichte. Danach gab es keine Anti­semiten mehr: weil alle es sind. Der Anti­semitismus wird zum logis­chen wie zum his­torischen Apri­ori, zur Ontolo­gie des gesellschaftlichen Seins der Deutschen. Was immer sich seit­dem auch ereignet hat – es spiegelt den prinzip­iellen Still­stand der Geschichte, den Bann, die Angstlust der erpreßten Ver­söh­nung.

So find­et auch der Hass auf die Juden, egal, ob anti­semi­tisch oder antizion­is­tisch aus­ge­brüllt, keine neuen Worte mehr, son­dern gehorcht einem man­is­chen Wieder­hol­ungszwang, dessen Vok­ab­u­lar in den Werken Adolf Hitlers gesam­melt vor­liegt. Es ist sein „Poli­tis­ches Tes­ta­ment“ vom 29. April 1945, das seit­dem abgear­beit­et wird, sein let­zter Wille, dem „inter­na­tionalen Juden­tum und seinen Helfern“ den total­en Krieg zu erk­lären und dafür immer wieder aufs Neue im deutschen Staat die so klassenüber­greifende wie die Klassen in sich aufhebende Volks­ge­mein­schaft zu ver­schweißen, d.h. das Mord­kollek­tiv, das in erlo­gen­er präven­tiv­er Notwehr dage­gen sich erheben solle, daß „die Völk­er Europas wieder nur als Aktien­pakete dieser inter­na­tionalen Geld- und Finanzver­schwör­er ange­se­hen wer­den“. 1989, als die Wiedervere­ini­gung der Anti­semiten (BRD), die genötigt wor­den waren, mit Israel sich zu arrang­ieren, mit den Antizion­is­ten (DDR), denen es nur erlaubt war, die Juden in Form der ›Zion­is­ten‹ zu has­sen, unver­mei­dlich wurde, waren alle formellen Bedin­gun­gen der deutschen Sou­veränität wieder­hergestellt, die es möglich machen, Hitlers Tes­ta­ment doch noch zu voll­streck­en, d.h. die Shoah durch ihre Vol­len­dung, Über­bi­etung und rest­lose Voll­streck­ung an Israel ungeschehen zu machen: Der Recht­snach­fol­ger rüstet sich auf, der Gesellschaft­snach­fol­ger zu sein. Denn erst der Tag, an dem es die Juden, außer in Geschichts­büch­ern, niemals gegeben haben wird, wird der Tag der vol­len­de­ten „Deutschen Rev­o­lu­tion“ (Goebbels) gewe­sen sein. So trifft das para­doxe Resümee jet­zt erst zu, das Eric Voegelin 1964 aus dem Ver­hält­nis der Deutschen zu Hitler zog: „Nichts gel­ernt und nichts vergessen.“ Es ist diese irrsin­nig redun­dante, pen­e­trante Per­ma­nenz des Nullpunk­ts mate­ri­al­is­tis­ch­er Aufk­lärung, in dem der Wieder­hol­ungszwang sich bre­it­macht.

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Der Vor­trag find­et am Fre­itag den 3. August 2012 um 19.00 Uhr in den Räum­lichkeit­en der Peter-Imandt-Gesellschaft in Saar­brück­en statt. Ein­tritt frei. Die Ver­anstal­tung wird von fol­gen­den Assozi­a­tio­nen und Organ­i­sa­tio­nen getra­gen: Mar­burg­er Zustände, Cri­Think! e.V., Antifa Saar / Pro­jekt AK, Peter-Imandt-Gesellschaft und Hein­rich Böll Stiftung Saar, Lesekreis zur Kri­tis­chen The­o­rie in Saar­brück­en